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Glossar

Stagflation

Aktualisiert 12. Juni 2026

Stagflation ist ein makroökonomischer Zustand, in dem hohe Inflation, stagnierendes oder rückläufiges Wirtschaftswachstum und erhöhte Arbeitslosigkeit gleichzeitig auftreten. Der Begriff ist ein Kofferwort aus „Stagnation" und „Inflation" und wurde vom britischen Politiker Iain Macleod in den 1960er-Jahren geprägt.

Warum Stagflation Notenbanken vor ein Dilemma stellt

Klassische Konjunkturmodelle, insbesondere die Phillips-Kurve, gehen von einer inversen Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit aus: Steigt die Inflation, sinkt die Arbeitslosigkeit – und umgekehrt. Stagflation widerlegt dieses Modell empirisch, weil beide Probleme gleichzeitig auftreten. Für Zentralbanken entsteht dadurch ein kaum auflösbarer Zielkonflikt: Höhere Zinsen dämpfen zwar die Inflation, verschärfen aber gleichzeitig die Konjunkturschwäche und treiben die Arbeitslosigkeit weiter in die Höhe. Niedrige Zinsen wiederum stützen die Wirtschaft, heizen jedoch die Preisentwicklung an.

Das historisch prägendste Beispiel ist die US-amerikanische Stagflation der 1970er-Jahre. Der OPEC-Ölembargo von 1973 ließ die Energiepreise schlagartig steigen und lähmte gleichzeitig weite Teile der Industrie. Erst die konsequent restriktive Geldpolitik des damaligen Fed-Vorsitzenden Paul Volcker – verbunden mit einer tiefen Rezession Anfang der 1980er-Jahre – beendete die Phase anhaltend hoher Inflation.

Bedeutung für Finanzmärkte und Kryptowährungen

Für Aktienmärkte ist Stagflation besonders belastend: Inflation mindert Unternehmensgewinne in realer Kaufkraft, während schwache Nachfrage und Investitionszurückhaltung das Wachstum bremsen. Innerhalb eines Aktienportfolios gelten defensive Sektoren wie Grundnahrungsmittel, Gesundheit und Energie als relativ widerstandsfähig, weil die Nachfrage nach ihren Produkten weniger konjunkturabhängig ist.

Kryptowährungen werden von Märkten überwiegend als Risikoassets eingestuft. Ihre Kursentwicklung weist historisch eine hohe Korrelation zu wachstumsorientierten Aktienindizes auf. In stagflationären Phasen, die mit Rezessionssorgen einhergehen, tendiert dieser Markt daher zur Schwäche. Gleichzeitig diskutieren einige Analysten Bitcoin als möglichen Inflationsschutz – ähnlich wie Gold –, da sein Angebot durch den festgelegten Emissionsplan begrenzt ist. Dieser Effekt wurde historisch jedoch von der Risikoaversion der Anleger überlagert, sobald eine handfeste Konjunkturschwäche einsetzte. Eine belastbare Einordnung bleibt schwierig, weil Bitcoin noch keine vollständige Stagflationsphase durchlaufen hat.

Für Anleger, die das Konzept verstehen wollen, lohnt sich der Blick auf die Wechselwirkungen zwischen Geldpolitik, Realwirtschaft und Asset-Klassen – unabhängig davon, welche konkreten Schlüsse sie daraus ziehen.

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