Glossar
Spinning Top
Aktualisiert 12. Juni 2026
Spinning Top ist ein japanisches Kerzenmuster der technischen Analyse, das durch einen kleinen realen Körper in der Kerzenmitte sowie annähernd gleich lange obere und untere Dochte gekennzeichnet ist. Eröffnungs- und Schlusskurs liegen dabei so nah beieinander, dass der Körper optisch schmal wirkt – während die ausgeprägten Dochte zeigen, dass der Kurs innerhalb des Zeitrahmens erhebliche Ausschläge in beide Richtungen vollzogen hat.
Entstehung und Aussage
Das Muster entsteht, wenn weder Käufer noch Verkäufer am Ende einer Kerze die Oberhand behalten. Ein typisches Szenario: Bullen treiben den Kurs deutlich über den Eröffnungspreis, Bären drücken ihn anschließend wieder zurück – oder die Bewegung verläuft spiegelbildlich. Das Ergebnis ist ein Patt. Der Markt hat sowohl nach oben als auch nach unten getastet, kehrt aber annähernd zum Ausgangsniveau zurück. Für Chartanalysten signalisiert das Muster Unentschlossenheit: Der bisherige Trend verliert möglicherweise an Kraft, ohne dass eine neue Richtung bereits etabliert wäre.
Kontextabhängig wird das Spinning Top unterschiedlich interpretiert. Am Ende eines Aufwärtstrends kann es eine bärische Trendwende andeuten; am Ende eines Abwärtstrends eine bullische. Entscheidend ist jedoch stets die Folgekerze: Schließt sie klar über dem Hoch des Spinning Top, spricht das für eine Aufwärtsbewegung; schließt sie unter dem Tief, für eine Abwärtsbewegung. Ohne diese Bestätigung bleibt das Muster interpretationsoffen.
Abgrenzung zum Doji
Spinning Top und Doji werden häufig verwechselt, sind aber konzeptionell verschieden. Beim Doji sind Eröffnungs- und Schlusskurs nahezu identisch, der Körper ist kaum erkennbar oder nicht vorhanden. Beim Spinning Top existiert ein kleiner, aber messbarer Körper – der Markt hat zumindest minimal in eine Richtung geschlossen. Beide Muster stehen für Unentschlossenheit, unterscheiden sich jedoch im Grad des Gleichgewichts zwischen den Marktteilnehmern.
Einsatz in der Praxis
In der Charttechnik wird der Long-Einstieg typischerweise oberhalb des Hochs der Spinning-Top-Kerze platziert, der Short-Einstieg unterhalb des Tiefs – jeweils erst nach Bestätigung durch die nachfolgende Kerze. Das Muster tritt auf allen Zeitebenen auf, von Minuten- bis Wochencharts, und ist in Krypto-Märkten ebenso beobachtbar wie an Aktien- oder Devisenmärkten.
Wichtiger Hinweis: Ein Spinning Top ist kein Handelssignal und keine Handlungsempfehlung. Candlestick-Muster können scheitern; isoliert betrachtet liefern sie keine verlässliche Grundlage für Handelsentscheidungen. Zusätzliche Analysetools, Volumenbetrachtung und Risikomanagement sind unerlässlich.