Glossar
Risikostreuung
Aktualisiert 12. Juni 2026
Risikostreuung ist das Prinzip, Kapital so auf mehrere Anlagen oder Anlageklassen zu verteilen, dass das Gesamtrisiko eines Portfolios geringer ausfällt als die Summe der Einzelrisiken seiner Bestandteile. Der Begriff ist synonym mit Diversifikation und gehört zu den grundlegenden Konzepten der modernen Portfoliotheorie.
Funktionsweise: Korrelation entscheidet
Der risikosenkende Effekt entsteht nicht allein durch die Anzahl der gehaltenen Positionen, sondern durch deren Korrelationsverhalten untereinander. Verlieren zwei Anlagen stets gleichzeitig an Wert, bietet ihre gemeinsame Haltung kaum Schutz. Sinkt dagegen eine Anlage, während eine andere stabil bleibt oder steigt, gleichen sich Verluste zumindest teilweise aus. Die Portfoliotheorie nach Harry Markowitz formalisiert diesen Zusammenhang: Unsystematisches Risiko – also das spezifische Risiko einzelner Werte – lässt sich durch Streuung weitgehend eliminieren. Das systematische Marktrisiko, das alle Anlagen einer Klasse gleichzeitig trifft, bleibt davon unberührt.
Streuung kann auf mehreren Ebenen erfolgen:
- Innerhalb einer Anlageklasse – etwa verschiedene Kryptowährungen statt nur einer einzigen
- Über Anlageklassen hinweg – Kombination aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder digitalen Assets
- Geografisch – Märkte unterschiedlicher Regionen reagieren nicht immer gleichläufig auf wirtschaftliche Ereignisse
ETFs sind ein verbreitetes Instrument, weil ein einziges Produkt bereits Dutzende oder Hunderte von Einzeltiteln abbildet und damit breite Streuung mit geringem Aufwand ermöglicht.
Besonderheiten im Kryptobereich
Im Kryptosegment ist Risikostreuung konzeptionell dieselbe, praktisch aber anspruchsvoller. Viele digitale Assets weisen in Stressphasen stark positive Korrelationen untereinander auf – sie fallen dann gemeinsam. Eine Streuung über verschiedene Token allein reduziert das Risiko daher weniger zuverlässig als im klassischen Mischportfolio. Hinzu kommen kryptospezifische Risiken, die unabhängig vom Marktverlauf auftreten: Verlust privater Schlüssel, Protokollschwächen oder Verwahrungsrisiken auf Handelsplattformen. Diese Risiken lassen sich nicht durch Diversifikation ausschalten, sondern erfordern eigene technische und organisatorische Maßnahmen.
Auch die Verwahrung selbst kann gestreut werden – beispielsweise durch die Aufteilung zwischen verschiedenen Wallet-Typen oder Verwahrlösungen. Das berührt Konzepte wie das Cold-Hot-Wallet-Verhältnis, das eine separate, aber verwandte Dimension des Risikomanagements beschreibt.