Glossar
Risikofreier Zins
Aktualisiert 12. Juni 2026
Risikofreier Zins ist ein theoretischer Referenzzinssatz der Finanztheorie, der die Rendite einer Geldanlage beschreibt, bei der weder Kredit- noch Ausfallrisiko besteht – Zinszahlungen und Tilgung gelten als vollständig gesichert.
Idealmodell, kein Marktprodukt
Einen vollständig risikofreien Zins gibt es in der Realität nicht. Jeder Schuldner – auch ein Staat – trägt zumindest ein theoretisches Ausfallrisiko. Der Begriff ist deshalb ein Idealmodell: Er beschreibt eine Untergrenze, die in der Praxis nur angenähert werden kann. Als Proxy dienen in der europäischen Bewertungspraxis Staatsanleihen von Ländern mit erstklassiger Bonität (AAA-Rating), etwa Bundesanleihen der Bundesrepublik Deutschland. Da diese Papiere als quasi-risikofrei gelten, werden ihre Renditen als Ausgangsgröße für den risikolosen Zinssatz herangezogen.
In der deutschen Bewertungspraxis – etwa nach dem IDW S 1-Standard für Unternehmensbewertungen – wird der sogenannte Basiszinssatz aus den Renditen von Nullkuponanleihen (Zero-Bond-Renditen) risikoarmer Staatsanleihen abgeleitet. Dieser geglättete, laufzeitunabhängige Wert dient als einheitliche Rechengröße und schließt kurzfristige Marktschwankungen aus.
Funktion in Bewertungsmodellen
Der risikofreie Zinssatz ist zentraler Bestandteil mehrerer finanzwirtschaftlicher Standardmodelle. Im Capital Asset Pricing Model (CAPM) bildet er die absolute Untergrenze jeder Renditeforderung: Kein rational handelnder Investor akzeptiert eine Rendite unterhalb des risikolosen Zinssatzes, da er diesen ohne jedes Risiko erzielen könnte. Jede weitere Renditeforderung setzt sich aus dem risikofreien Zins plus einer Risikoprämie zusammen, die das jeweilige Markt-, Kredit- oder Liquiditätsrisiko abbildet.
Konkret: Wenn der Basiszinssatz bei einem bestimmten Niveau liegt und ein Investor in ein Unternehmen oder einen Vermögenswert investieren möchte, fordert er mindestens diesen Zins – zuzüglich eines Aufschlags für das eingegangene Risiko. Je höher das Risiko, desto größer die Risikoprämie, desto höher die Gesamtrenditeerwartung.
Im Krypto-Kontext wird der risikofreie Zins relevant, wenn DeFi-Renditen oder Staking-Erträge bewertet werden sollen. Eine sachliche Einordnung erfordert den Vergleich mit dem risikolosen Zinssatz: Nur die Differenz – also die Risikoprämie – entschädigt tatsächlich für die eingegangenen Risiken wie Smart-Contract-Ausfälle, Liquiditätsengpässe oder Protokollversagen.