Glossar
Reorg (Chain Reorganization)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Reorg (Chain Reorganization) ist der technische Vorgang, bei dem ein Blockchain-Knoten einen bereits als gültig akzeptierten Kettenabschnitt verwirft und durch eine konkurrierende, längere Kette ersetzt – weil diese mehr akkumulierte Rechenarbeit (Proof-of-Work) nachweist und damit die Konsensregeln des Netzwerks besser erfüllt.
Wie eine Reorg entsteht
Findet nahezu gleichzeitig mehr als ein Miner einen gültigen Block auf gleicher Höhe, entsteht kurzzeitig ein unbeabsichtigter Fork: Zwei konkurrierende Kettenäste existieren parallel. Verschiedene Knoten im Netzwerk folgen zunächst unterschiedlichen Ästen. Sobald einer der Äste um einen weiteren Block wächst und damit mehr akkumulierte Proof-of-Work aufweist, übernehmen alle regelkonformen Knoten diese Variante als einzige gültige Kette. Die Blöcke des unterlegenen Astes – sogenannte „orphaned" oder „stale" Blocks – werden ab dem letzten gemeinsamen Vorfahren (Common Ancestor) deaktiviert.
In der Praxis betrifft eine solche natürliche Reorg fast immer nur einen einzigen Block nahe der Kettenspitze und ist damit ein normaler, im Protokoll vorgesehener Selbstkorrekturmechanismus.
Folgen für Miner und Nutzer
Miner, deren Blöcke durch eine Reorg aus der Hauptkette fallen, verlieren die zugehörige Block-Belohnung vollständig – die geleistete Rechenarbeit bleibt ohne Vergütung. Für gewöhnliche Nutzer ist das kritischere Szenario: Eine Transaktion, die in einem orphaned Block lag, gilt plötzlich wieder als unbestätigt und muss erneut in einen künftigen Block aufgenommen werden. Im Extremfall kann sie ganz aus dem Mempool verschwinden.
Genau deshalb gilt die Daumenregel, bei größeren Überweisungen mehrere Bestätigungen abzuwarten, bevor eine Zahlung als endgültig behandelt wird. Je tiefer eine Transaktion in der Kette verankert ist, desto größer der Rechenaufwand, den ein Angreifer aufbringen müsste, um sie rückgängig zu machen.
Absichtliche Reorgs als Angriffsszenario
Reorgs lassen sich auch gezielt herbeiführen. Bei einer 51 %-Attacke kontrolliert ein Angreifer die Mehrheit der Hashrate und kann heimlich eine alternative Kette aufbauen, die er zu einem selbst gewählten Zeitpunkt veröffentlicht – und damit bereits bestätigte Transaktionen rückwirkend ungültig macht (Double Spend). Bei etablierten Netzwerken mit hoher Hashrate ist der dafür nötige Aufwand prohibitiv hoch; kleinere Proof-of-Work-Netzwerke sind deutlich anfälliger.
Eine tiefe, absichtliche Reorg stellt damit das ernsteste Sicherheitsrisiko im Proof-of-Work-Modell dar und ist zugleich der Hauptgrund, warum Protokolldesigner und Börsen auf ausreichende Bestätigungstiefe bestehen.