Glossar
Rainbow Chart
Aktualisiert 11. Juni 2026
Rainbow Chart ist ein Visualisierungswerkzeug für die Langzeitpreisentwicklung von Bitcoin, das eine logarithmische Regressionskurve über die vollständige Kurshistorie legt und diese mit neun farbcodierten Bändern umrahmt – von Tiefblau am unteren Ende bis Dunkelrot am oberen Ende der Skala.
Funktionsweise
Die mathematische Grundlage ist die logarithmische Regression: Sie zeichnet eine Kurve, die Bitcoins historisches Wachstum annähert und dabei die rasanten frühen Kursgewinne sowie das langsamere spätere Wachstum rechnerisch ausgleicht. Um diese Kurve werden gleichmäßig verteilte Farbbänder gelegt. Jedes Band repräsentiert eine Marktsentiment-Zone mit einem eigenen Label – das unterste Band trägt die Bezeichnung „Fire Sale" (tiefblau), die mittleren Bänder stehen für Bereiche wie „Accumulate" oder „Fair Value" (grün/gelb), das oberste für „Maximum Bubble Territory" (dunkelrot). Entwickelt wurde der Chart informell in der Bitcoin-Community; populär gemacht hat ihn unter anderem die Plattform BlockchainCenter.net, die ihn kostenlos und ohne kommerzielle Schutzrechte bereitstellt.
Einordnung und Grenzen
Langfristorientierte Beobachter nutzen den Chart, um grob einzuschätzen, in welcher historischen Bewertungszone sich Bitcoin gerade befindet – beispielsweise ob der aktuelle Kurs eher in der Nähe vergangener Akkumulationsphasen oder in der Nähe früherer Überhitzungsphasen liegt. Diese Einordnung kann helfen, emotionale Entscheidungen in extremen Marktphasen zu kontextualisieren.
Entscheidend sind jedoch die Grenzen des Modells: Die Ersteller selbst weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Rainbow Chart keine Anlageberatung darstellt und vergangene Muster keine verlässliche Grundlage für künftige Kursprognosen bilden. Wer den Chart auf kurzfristige Handelssignale reduziert, missversteht seinen Zweck. Hinzu kommt, dass das Modell periodisch rekalibriert werden muss: Mit zunehmender Reife des Bitcoin-Marktes, wachsender institutioneller Beteiligung und sich verändernden Halving-Zyklen kann die historische Regressionskurve an Erklärungskraft verlieren. Die Bänder, die in einem früheren Zyklus als „überbewertet" galten, müssen im nächsten nicht dieselbe Bedeutung haben.
Der Rainbow Chart eignet sich damit allenfalls als grobe Orientierungshilfe im Kontext langfristiger Marktbeobachtung – nicht als eigenständige Entscheidungsgrundlage. Wie alle Chartmuster und technischen Modelle kann er scheitern; historische Muster können jederzeit brechen.