Glossar
Proof of Elapsed Time
Aktualisiert 12. Juni 2026
Proof of Elapsed Time (PoET) ist ein Konsensmechanismus für Blockchain-Netzwerke, der die Blockproduktion über ein manipulationssicheres Zeitlotterie-Verfahren regelt und dabei auf ressourcenintensives Mining verzichtet.
Funktionsweise: Lotterie per Trusted Execution Environment
Der Mechanismus wurde von Intel-Ingenieuren entwickelt und in das quelloffene Projekt Hyperledger Sawtooth eingebracht. Er stützt sich auf Intels Software Guard Extensions (SGX), eine hardwarebasierte Trusted Execution Environment (TEE). Beim Start einer neuen Konsensrunde erhält jeder teilnehmende Knoten vom SGX-Chip eine zufällige Wartezeit zugewiesen. Der Knoten schläft für diese Dauer und darf erst nach deren Ablauf einen neuen Block vorschlagen. Da stets der Knoten mit der kürzesten Wartezeit als Erster aufwacht, ergibt sich ein faires Lotterieprinzip – vergleichbar mit dem Ziehen einer Losnummer, nur dass hier die niedrigste Zahl gewinnt.
Die Entscheidende Eigenschaft: Die Wartezeit wird innerhalb der SGX-Enklave generiert und kann von außen weder beobachtet noch manipuliert werden. Nach dem Aufwachen legt der Knoten einen kryptografischen Beweis vor, der bestätigt, dass er die zugewiesene Zeit tatsächlich gewartet hat und die Zahl nicht gefälscht wurde. Andere Knoten prüfen diesen Beweis, bevor der Block akzeptiert wird.
Abgrenzung zu Proof of Work und Einordnung
Gegenüber Proof of Work entfällt bei PoET das rechenintensive Lösen von Hash-Rätseln vollständig. Der Energieverbrauch sinkt damit erheblich, weil die Knoten während der Wartezeit schlicht inaktiv sind statt Rechenleistung zu bündeln. Zugleich gilt PoET als Nakamoto-artiger Mechanismus: Er ermöglicht Konsens in einer Größenordnung, die mit Bitcoin vergleichbar ist – ohne klassisches Mining.
Der wesentliche Vorbehalt betrifft die Hardware-Abhängigkeit. PoET setzt voraus, dass alle Knoten SGX-fähige Prozessoren betreiben und dem Intel-Chip als vertrauenswürdiger Instanz vertrauen. Das macht den Mechanismus zentralisierungsanfällig und für öffentliche, permissionlose Blockchains wenig geeignet. In der Praxis kommt PoET daher vor allem in permissioned Blockchain-Netzwerken zum Einsatz, etwa in Unternehmensinfrastrukturen, wo die Teilnehmer bekannt und die Hardware kontrollierbar ist. Einer ähnlichen Logik folgt Proof of Authority, der ebenfalls auf Identität statt Rechenaufwand setzt.
Abzugrenzen ist PoET außerdem von Proof of History, das Zeitstempel kryptografisch in die Kette einbettet, aber keinen schlafbasierten Losmechanismus verwendet.