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Glossar

Point-and-Figure-Chart

Aktualisiert 12. Juni 2026

Point-and-Figure-Chart (P&F-Chart) ist eine Darstellungsform der technischen Analyse, die Kursbewegungen ausschließlich über Preisveränderungen abbildet und die Zeitdimension vollständig ignoriert.

Aufbau und Funktionsweise

Im Gegensatz zu Kerzendiagrammen oder Liniencharts trägt die horizontale Achse eines P&F-Charts keine Zeitangaben, sondern lediglich die Abfolge von Preisrichtungswechseln. Steigende Kurse werden als Spalte übereinandergestapelter „X"-Symbole eingetragen, fallende Kurse als Spalte von „O"-Symbolen. Ob ein neues Symbol hinzukommt, hängt einzig von zwei Parametern ab:

  • Box Size: die Mindestpreisbewegung, die ein X oder O auslöst. Bei Bitcoin könnte sie beispielsweise 500 USD betragen – jede Bewegung darunter bleibt unsichtbar.
  • Reversal Amount: die Anzahl der Boxen, um die sich der Kurs in Gegenrichtung bewegen muss, bevor eine neue Spalte beginnt. Klassisch sind drei Boxen, also 1.500 USD im obigen Beispiel.

Solange sich der Preis innerhalb dieser Schwellen bewegt, ändert sich der Chart schlicht nicht. Eine neue Spalte entsteht erst bei einer qualifizierten Trendumkehr – unabhängig davon, ob dafür ein Tag oder drei Wochen vergehen.

Historischer Hintergrund und heutige Relevanz

Die Methode geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück. Vor der Computerisierung ermöglichte sie Analysten, große Datenmengen platzsparend und ohne rechenaufwändige Glättungsverfahren zu erfassen. Mit der Verbreitung digitaler Charts verlor sie an Popularität, erlebt jedoch eine Renaissance als sogenannter „Noise-Filter"-Chart: Weil Seitwärtsbewegungen unterhalb der Box-Size keine Spur hinterlassen, treten übergeordnete Preisstrukturen klarer hervor als in zeitbasierten Formaten.

Konzeptionell verwandt sind Renko-, Kagi- und Line-Break-Charts – alle vier arbeiten ausschließlich preisbasiert und blenden kleinere Schwankungen systematisch aus.

Musterlesen und Grenzen

Auf Basis der X- und O-Spalten werden klassische Muster wie einfache und doppelte Tops bzw. Bottoms sowie Ausbrüche aus Konsolidierungszonen identifiziert. Zeitangaben lassen sich nachträglich als Ziffern (1–9 für Januar bis September) in die Spalten eingetragen – sie dienen der Orientierung, verändern die Chartlogik aber nicht.

Wichtiger Hinweis: Alle aus P&F-Charts abgeleiteten Muster sind analytische Konzepte, keine Handelssignale. Wie jede Methode der technischen Analyse kann der Point-and-Figure-Chart Fehlsignale liefern und in bestimmten Marktphasen systematisch versagen. Dieser Eintrag dient ausschließlich der Begriffserklärung und stellt keine Anlage- oder Handelsempfehlung dar.

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