KryptoRatgeber

Glossar

Overcollateralization (Ueberbesicherung)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Overcollateralization (Ueberbesicherung) ist ein Kreditsicherungsmechanismus, bei dem der Wert der hinterlegten Sicherheit (Kollateral) den Wert des aufgenommenen Darlehens bewusst übersteigt — mit dem Ziel, Wertschwankungen abzupuffern und die Solvenz des kreditgebenden Systems zu gewährleisten.

Funktionsweise in DeFi-Protokollen

In dezentralen Finanzprotokollen wie MakerDAO müssen Kreditnehmer typischerweise Kollateral im Wert von 130 bis 150 Prozent oder mehr des geliehenen Betrags hinterlegen. Der Mechanismus lässt sich an einem konkreten Beispiel veranschaulichen: Ein Nutzer sperrt ETH im Wert von 1.300 USD in einem Smart Contract und erhält dafür 1.000 DAI — einen kryptobesicherten Stablecoin. Der Puffer von 300 USD absorbiert Kursverluste der hinterlegten ETH, bevor das Protokoll in Schieflage gerät.

Fällt der Kollateralwert unter eine vorab definierte Liquidationsschwelle (Collateral Ratio), greift eine automatische Liquidation: Das Protokoll verkauft Teile des Kollaterals, um die ausgegebenen Token zu decken und die eigene Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Dieser Prozess läuft ohne menschlichen Eingriff über Smart Contracts ab.

Risiko: Rekursiver Leverage

Overcollateralization schließt Risiken nicht vollständig aus. Ein strukturelles Problem entsteht durch rekursiven Leverage: Nutzer können die geliehenen Assets erneut als Kollateral einsetzen, um weitere Darlehen aufzunehmen — und diesen Vorgang mehrfach wiederholen. Jede zusätzliche Stufe verstärkt die Abhängigkeit vom Ausgangspreis des ursprünglichen Kollaterals. Bei einem starken, schnellen Kursrückgang können Liquidationen kaskadenartig ausgelöst werden, weil fallende Preise weitere Positionen unter die jeweiligen Schwellenwerte drücken.

Parallelen im traditionellen Finanzwesen

Das Prinzip ist nicht auf Krypto beschränkt. Im traditionellen Finanzwesen — etwa bei Verbriefungen (Securitizations) und besicherten Kreditstrukturen (CLOs) — übersteigt der Nennwert des zugrunde liegenden Kreditpools den Nennwert der ausgegebenen Anleihen. Der Überschuss dient als Ausfallpuffer: Solange die Kreditausfälle im Pool begrenzt bleiben, werden Zinsen und Tilgungen der emittierten Anleihen weiterhin bedient. Overcollateralization ist dort ein etabliertes Instrument des Credit Enhancement.

Der wesentliche Unterschied zu DeFi liegt in der Automatisierung: Während klassische Verbriefungen auf vertragliche Regeln und Intermediäre setzen, vollzieht ein Smart Contract die Liquidation unmittelbar und ohne Ermessensspielraum.

Verwandte Begriffe