Glossar
Orderbuch
Aktualisiert 12. Juni 2026
Ein Orderbuch ist eine elektronisch geführte, in Echtzeit aktualisierte Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsaufträge für ein bestimmtes Handelspaar an einer Börse – geordnet nach Preis und Eingangszeit.
Aufbau und Funktionsweise
Das Orderbuch besteht aus zwei Seiten: der Bid-Seite (Kaufaufträge) und der Ask-Seite (Verkaufsaufträge). Käufer geben an, zu welchem Höchstpreis und in welcher Menge sie ein Asset erwerben wollen; Verkäufer nennen ihren Mindestpreis. Die Differenz zwischen dem höchsten Gebot (Best Bid) und dem niedrigsten Angebot (Best Ask) heißt Spread. Sobald ein Kaufauftrag preislich auf einen passenden Verkaufsauftrag trifft – Preis und Menge stimmen überein –, wird der Trade automatisch ausgeführt. Auf diese Weise entsteht der Marktpreis nicht durch eine zentrale Instanz, sondern unmittelbar aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.
Ein konstruiertes Beispiel zur Veranschaulichung: Stehen Kaufaufträge bei Preis X und Verkaufsaufträge bei Preis X+10, liegt der Spread bei 10 Einheiten. Gibt ein Käufer nun eine Market Order auf, wird sein Auftrag zum günstigsten verfügbaren Ask ausgeführt – der Preis X+10 wird zur neuen Referenz. Solche Beispiele dienen der Erklärung des Mechanismus und stellen kein Handelssignal dar.
Vor der Digitalisierung wurden Orderbücher physisch an Börsen geführt. Heute verwalten elektronische Handelssysteme diese Listen vollautomatisch und machen sie weltweit in Echtzeit zugänglich.
Orderbuch an CEX und DEX
Orderbücher kommen sowohl an zentralisierten Börsen (CEX) – etwa für Aktien, Futures und Kryptowährungen – als auch an dezentralisierten Orderbuch-DEX auf Blockchain-Basis zum Einsatz. Der strukturelle Unterschied: Während eine CEX das Orderbuch auf eigenen Servern betreibt und die Verwahrung der Assets übernimmt, werden Aufträge bei einem Orderbuch-DEX direkt auf der Blockchain oder einer dedizierten Off-Chain-Schicht verwaltet, die Abwicklung erfolgt jedoch über Smart Contracts.
Bedeutung für das Trading
Trader beobachten das Orderbuch, um Ungleichgewichte zwischen Käufern und Verkäufern zu erkennen. Größere Auftragscluster auf einer Seite gelten als potenzielle Unterstützungs- oder Widerstandszonen. Wichtig: Das Orderbuch ist ein Informationswerkzeug, kein Handelssignal. Muster können sich jederzeit auflösen, Aufträge können zurückgezogen werden, und selbst auffällige Cluster bieten keine Garantie für eine bestimmte Kursentwicklung.