Glossar
OCO-Order
Aktualisiert 12. Juni 2026
OCO-Order ist ein Ordertyp, der zwei voneinander abhängige Aufträge zu einem einzigen Mechanismus verknüpft: Wird eine der beiden Teilorders ausgeführt, storniert die Handelsplattform die andere automatisch – daher der Name One-Cancels-the-Other.
Aufbau und Funktionsweise
Eine OCO-Order besteht typischerweise aus einer Limit-Order und einer Stop-Limit-Order für dieselbe Position. Beide Aufträge existieren gleichzeitig im Orderbuch, zeigen aber in entgegengesetzte Preisrichtungen. Ein vereinfachtes Beispiel: Ein Marktteilnehmer hält eine Kryptowährung und platziert oberhalb des aktuellen Kurses eine Limit-Order zur Gewinnmitnahme (Take-Profit) sowie unterhalb eine Stop-Limit-Order zur Verlustbegrenzung (Stop-Loss). Erreicht der Kurs zuerst das obere Niveau, wird die Limit-Order ausgeführt und die Stop-Limit-Order erlischt – und umgekehrt. Storniert der Nutzer eine der beiden Teilorders manuell, wird auch die verbleibende automatisch gelöscht.
Auf großen Handelsplattformen ist der OCO-Typ für den Spot- und Spot-Margin-Handel verfügbar. Im Futures-Handel übernehmen verwandte Konstrukte wie Bracket-Orders eine ähnliche Funktion, die jedoch plattformspezifisch implementiert ist.
Anwendung und Grenzen
Der praktische Nutzen liegt in der Automatisierung: Wer nicht permanent den Markt beobachten kann oder will, nutzt OCO-Orders, um zwei gegenläufige Szenarien gleichzeitig abzudecken, ohne nach Ausführung der einen Order manuell die andere entfernen zu müssen. Das reduziert das Risiko vergessener Gegenorders, die bei starken Kursbewegungen ungewollt ausgelöst werden könnten.
Dennoch ist ein relevantes Restrisiko zu beachten: Bei extremer Volatilität – etwa durch einen Flash Crash oder einen abrupten Kurssprung – können beide Trigger in sehr kurzer Abfolge erreicht werden, bevor die Stornierungslogik der Plattform greift. In seltenen Fällen werden dann beide Teilorders ausgeführt, was zu einer unbeabsichtigten Doppelposition oder einem widersprüchlichen Trade führt. Wer OCO-Orders mit eng beieinanderliegenden Preisniveaus einsetzt, sollte dieses Szenario einkalkulieren.
Wichtiger Hinweis: Die Beschreibung von OCO-Orders erklärt ausschließlich die technische Funktionsweise dieses Ordertyps. Sie stellt kein Handelssignal dar und ist nicht als Empfehlung zu verstehen. Ordertypen und Kursmuster können in der Praxis scheitern; vergangene Kursverläufe lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu.