Glossar
Momentum
Aktualisiert 12. Juni 2026
Momentum ist ein Maß für die Geschwindigkeit und Stärke, mit der sich ein Preis innerhalb eines definierten Zeitraums verändert – steigt ein Asset kontinuierlich im Kurs, spricht man von positivem Momentum; fällt es anhaltend, liegt negatives Momentum vor.
Funktionsweise: Was gemessen wird
Technisch betrachtet berechnet der Momentum-Indikator schlicht die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs und dem Kurs vor n Perioden. Ein Wert über null zeigt, dass der Preis gestiegen ist; ein Wert unter null signalisiert einen Rückgang. In der Praxis wird Momentum jedoch häufig über verwandte Indikatoren abgelesen: Der RSI (Relative Strength Index) zeigt, ob ein Asset im Verhältnis zu vergangenen Schwankungen überkauft oder überverkauft wirkt; der MACD (Moving Average Convergence/Divergence) vergleicht zwei exponentielle gleitende Durchschnitte und macht Trendänderungen sichtbar. Beide gelten als Momentum-Oszillatoren, weil sie die Dynamik einer Preisbewegung – nicht nur ihre Richtung – abbilden.
Momentum als Handelsstrategie
Als Strategie baut Momentum-Trading auf der Annahme auf, dass laufende Trends sich fortsetzen, bevor sie sich umkehren. Trader kaufen Assets, die bereits Stärke gezeigt haben, und meiden oder shorten schwache – sie folgen dem Markt, anstatt gegen ihn zu wetten. Akademisch wurde dieses Phänomen in Aktienmärkten durch Jegadeesh und Titman (1993) dokumentiert; spätere Studien belegen ähnliche Effekte auch für Kryptomärkte, wo fehlende Short-Selling-Beschränkungen auf vielen Plattformen die Strategie zusätzlich umsetzbar machen.
Ein wichtiger Realitätscheck: Erfolgsquoten beim Momentum-Trading liegen typischerweise zwischen 55 und 65 Prozent. Das bedeutet, dass ein erheblicher Anteil der Trades im Verlust endet. Profitabilität entsteht daher nicht durch eine hohe Trefferquote allein, sondern durch konsequentes Risikomanagement und durchdachte Positionsgrößen.
Hinweis: Momentum-Indikatoren sind analytische Werkzeuge, keine Handelssignale. Technische Muster und Indikatoren können scheitern – insbesondere in illiquiden Märkten oder bei plötzlichen Nachrichten-Ereignissen. Dieser Eintrag dient ausschließlich der Begriffsklärung und stellt keine Anlage- oder Handelsberatung dar.
Abgrenzung: Momentum vs. Trend
Momentum und Trend werden oft gleichgesetzt, beschreiben aber unterschiedliche Aspekte: Ein Trend bezeichnet die übergeordnete Richtung einer Kursbewegung; Momentum misst, wie stark und schnell diese Bewegung gerade ist. Hoher Aufwärtstrend bei abnehmendem Momentum kann ein Hinweis auf nachlassende Kaufkraft sein – ohne dass damit eine Prognose verbunden ist.