Glossar
Megaphon-Formation
Aktualisiert 12. Juni 2026
Megaphon-Formation ist ein Chartmuster der technischen Analyse, das durch eine Abfolge von sukzessiv höheren Hochs und tieferen Tiefs entsteht – sodass zwei divergierende Trendlinien einen sich nach rechts ausweitenden Keil bilden, der optisch einem umgekehrten Dreieck oder eben einem Megaphon ähnelt.
Erstmals beschrieben wurde das Muster 1932 von Richard Schabacker in seinem Werk Technical Analysis and Stock Market Profits. Schabacker selbst stufte es als selten und mehrdeutig ein: Es kann sowohl als Umkehr- als auch als Fortsetzungssignal interpretiert werden – eine Eigenschaft, die bis heute kennzeichnend für dieses Muster ist.
Entstehung und Marktpsychologie
Die Formation entsteht, wenn Käufer und Verkäufer zunehmend uneinig über den fairen Preis eines Assets sind. Jede Aufwärtsbewegung treibt den Kurs über das vorangegangene Hoch, jede Abwärtsbewegung unter das vorangegangene Tief. Volatilität und Handelsunsicherheit nehmen sichtbar zu. In der Fachliteratur wird dieses Verhalten häufig mit einem Markt beschrieben, der „außer Kontrolle" gerät: Falsche Ausbrüche nach oben locken Käufer an, anschließende Einbrüche treffen Stop-Loss-Orders der Bullen – und umgekehrt.
Eine Variante, die sogenannte Broadening Top-Formation, tritt statistisch häufiger an Marktgipfeln als an Tiefs auf. Sie wird in der Literatur oft mit Verteilungsphasen in Verbindung gebracht, in denen erfahrene Marktteilnehmer Positionen in einen noch aktiven Markt hinein abbauen. Im Kryptomarkt, der durch hohe strukturelle Volatilität geprägt ist, taucht das Muster vergleichsweise regelmäßig auf und ist dort Gegenstand aktiver Chartanalyse-Diskussionen.
Abgrenzung und Grenzen des Musters
Das symmetrische Dreieck ist das konzeptionelle Gegenstück: Dort komprimieren sich Hochs und Tiefs zur Spitze hin. Bei der Megaphon-Formation weitet sich der Kurspfad stattdessen aus. Wichtig für das Verständnis: Die Formation liefert keine eindeutige Richtungsaussage. Brüche nach oben wie nach unten sind möglich, Fehlsignale und sogenannte „Whipsaws" – also schnelle Richtungswechsel unmittelbar nach einem vermeintlichen Ausbruch – gelten als charakteristisches Risiko dieses Musters.
Hinweis: Wie alle Chartmuster und technischen Indikatoren ist die Megaphon-Formation kein Handelssignal und keine Garantie für zukünftige Kursbewegungen. Muster können scheitern oder sich rückwirkend anders interpretieren lassen. Dieser Eintrag dient ausschließlich der Wissensvermittlung und stellt keine Anlage- oder Handelsberatung dar.