KryptoRatgeber

Glossar

Lunte (Wick)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Lunte (Wick) ist die dünne vertikale Linie, die bei einer Candlestick-Kerze über oder unter dem Kerzenkörper erscheint und das Kursextrem einer Handelsperiode markiert — also den höchsten bzw. niedrigsten Preis, den ein Asset in diesem Zeitfenster erreicht hat, ohne dieses Niveau zum Periodenende zu halten.

Aufbau und Entstehung

Eine Kerze besteht aus vier Preispunkten: Eröffnung, Schlusskurs sowie Hoch und Tief der Periode. Der rechteckige Kerzenkörper verbindet Eröffnungs- und Schlusskurs; alles, was darüber oder darunter hinausragt, bildet die Lunte. Entsteht eine obere Lunte, bedeutet das: Der Kurs ist während der Periode über den späteren Schlusskurs gestiegen, wurde dort aber von Verkäufern zurückgedrückt. Eine untere Lunte zeigt das Spiegelbild — Käufer haben einen temporären Kursverlust aufgefangen und den Preis wieder nach oben geführt.

Ein konstruiertes Lehrbeispiel: Eröffnet eine Tageskerze bei 30.000, steigt zwischenzeitlich auf 32.000, fällt auf 28.500 und schließt bei 29.800, entstehen sowohl eine ausgeprägte obere Lunte (32.000 bis 29.800) als auch eine untere Lunte (29.800 bis 28.500). Die Länge jeder Lunte im Verhältnis zum Kerzenkörper beschreibt die Intensität des Kräfteverhältnisses zwischen Käufern und Verkäufern in diesem Zeitfenster.

Besonderheit im Kryptomarkt

Kryptomärkte sind rund um die Uhr geöffnet und weisen häufig geringere Liquidität auf als traditionelle Finanzmärkte. Beides begünstigt besonders ausgeprägte Lunten. Ein spezifisches Phänomen ist das sogenannte Wick Hunting oder Liquiditätsjagd: Große Marktteilnehmer bewegen den Kurs gezielt in Bereiche, wo viele Stop-Loss-Orders oder gehebelte Positionen angehäuft sind, lösen diese aus und kehren dann schnell um. Das Ergebnis ist eine extreme Lunte auf dem Chart — ein Muster, das unerfahrene Marktteilnehmer regelmäßig auf dem falschen Fuß erwischt.

Einordnung und Grenzen

Lange Lunten werden in der Chartanalyse als Hinweis auf Ablehnung eines bestimmten Preisniveaus gelesen — eine lange obere Lunte als potenziell bärisches, eine lange untere Lunte als potenziell bullisches Signal. Diese Einordnung bleibt jedoch stets kontextabhängig: Zeitrahmen, Handelsvolumen und das Marktumfeld beeinflussen die Aussagekraft erheblich. Charttechnische Muster wie Lunten können scheitern und liefern keine zuverlässigen Handelssignale. Dieser Glossar-Eintrag dient ausschließlich der Begriffsklärung und stellt keine Anlage- oder Handelsberatung dar.

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