KryptoRatgeber

Glossar

Liquidationspreis

Aktualisiert 12. Juni 2026

Liquidationspreis ist derjenige Kursstand eines Basiswerts, bei dem eine Krypto-Börse eine gehebelte Position automatisch zwangsschließt, um das geliehene Kapital zurückzufordern und ein negatives Kontoguthaben zu verhindern.


Funktionsweise im gehebelten Handel

Wer eine gehebelte Position eröffnet, hinterlegt nur einen Bruchteil des Positionswerts als Sicherheitsleistung (Margin). Die Differenz stellt die Börse als Kredit bereit. Bewegt sich der Markt gegen die Position, schrumpft diese Sicherheitsleistung. Erreicht der Kurs den Liquidationspreis, ist die Margin soweit aufgezehrt, dass die Börse den Kredit nicht mehr als vollständig gedeckt betrachtet – sie schließt die Position, noch bevor der Trader in ein negatives Saldo rutscht.

Der Liquidationspreis ist dabei keine feste Größe, sondern abhängig von vier Variablen: dem gewählten Hebelfaktor, der Positionsgröße, der Art der Margin (Isolated Margin vs. Cross Margin) sowie den plattformspezifischen Gebühren und Wartungsmargen. Derselbe Trade auf zwei verschiedenen Börsen kann daher leicht unterschiedliche Liquidationspreise aufweisen.

Konkretes Beispiel: Bei einem Hebel von 10x genügt eine Kursbewegung von etwa 10 % gegen die Position, um den Liquidationspreis zu erreichen. Bei 20x Hebel schrumpft dieser Puffer auf rund 5 %. Je aggressiver der Hebel, desto enger liegt der Liquidationspreis am Einstiegskurs.


Abgrenzung: Liquidationspreis vs. Insolvenzpreis

Vom Liquidationspreis zu unterscheiden ist der sogenannte Insolvenzpreis (Bankruptcy Price): Das ist der theoretische Punkt, an dem die Margin vollständig auf null gefallen wäre. Börsen leiten die Zwangsschließung in der Regel bereits kurz vor diesem Niveau ein, um Verluste aus der Slippage während der Abwicklung abzufedern. Der Liquidationspreis liegt damit für Long-Positionen stets etwas über dem Insolvenzpreis.


Risikokontrolle und Grenzen

Trader können den Liquidationspreis beeinflussen: Eine kleinere Positionsgröße schafft mehr Abstand zum Einstiegskurs, zusätzliche Margin schiebt das kritische Niveau weiter weg, und ein Stop-Loss oberhalb des Liquidationspreises begrenzt den realisierten Verlust, bevor die Zwangsschließung überhaupt greift.

Dieser Eintrag beschreibt ausschließlich die Mechanik des Begriffs. Er stellt keine Handelsempfehlung dar und ist kein Signal für eine bestimmte Positionierung. Kursmarken jeder Art – einschließlich rechnerisch ermittelter Liquidationsniveaus – können scheitern; Märkte verhalten sich nicht vorhersehbar.


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