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Glossar

Liquidation Threshold

Aktualisiert 12. Juni 2026

Liquidation Threshold ist der Schwellenwert im besicherten Kreditwesen, ab dem ein Protokoll eine Kreditposition als unterbesichert einstuft und zur Zwangsliquidation freigibt – ausgedrückt als maximales Verhältnis von Schulden zu Kollateralwert.

Funktionsweise in DeFi-Kreditprotokollen

Nimmt ein Nutzer in einem DeFi-Protokoll einen Kredit auf, hinterlegt er zunächst Sicherheiten (Kollateral). Zwei Grenzwerte sind dabei entscheidend: der Loan-to-Value (LTV) beim Kreditaufnahmezeitpunkt und der höher liegende Liquidation Threshold. Die Differenz zwischen beiden bildet einen Sicherheitspuffer – er gibt dem Kreditnehmer Spielraum, bevor eine Zwangsmaßnahme droht.

Ein konkretes Beispiel: Ein Asset hat einen LTV von 70 % und einen Liquidation Threshold von 80 %. Wer Kollateral im Wert von 10.000 Einheiten hinterlegt, darf maximal 7.000 Einheiten ausleihen. Sinkt der Kollateralwert jedoch so weit, dass die Schulden 80 % des verbleibenden Wertes überschreiten, wird die Position liquidierbar – Dritte (sogenannte Liquidatoren) dürfen das Kollateral zu einem rabattierten Preis übernehmen und die Schulden begleichen.

Protokolle wie Aave berechnen dafür einen Health Factor: Er ergibt sich aus dem gewichteten Liquidation Threshold multipliziert mit dem Kollateralwert, dividiert durch die ausstehenden Schulden. Fällt dieser Wert unter 1, ist die Position sofort liquidierbar.

Asset-spezifische Festlegung und Governance

Der Liquidation Threshold ist kein globaler Einheitswert. Protokolle legen ihn per Governance-Abstimmung für jedes Kollateral-Asset separat fest. Assets mit höherer Preisvolatilität oder geringerer Markttiefe erhalten niedrigere Schwellenwerte – das verringert das Risiko, dass das Protokoll bei einem schnellen Kursrückgang mit ungedeckten Schulden zurückbleibt.

Abgrenzung zur Maintenance Margin im Derivatehandel

Konzeptionell entspricht der Liquidation Threshold der Maintenance Margin aus dem Derivate- und Futureshandel: In beiden Fällen markiert er nicht den vollständigen Kapitalverlust, sondern den Punkt, ab dem eine Zwangsschließung eingeleitet wird. Im Derivatehandel liegt darunter noch der sogenannte Bankruptcy Price – der Punkt, an dem das gesamte eingesetzte Kapital aufgezehrt ist. In DeFi übernimmt das Liquidationsprotokoll diese Funktion, indem es das verbleibende Kollateral verwerten lässt, bevor die Schulden das Sicherheitenniveau vollständig übersteigen.

Das Verständnis des Liquidation Threshold ist für jeden relevant, der besicherte Kredite in DeFi-Protokollen nutzt: Der Puffer zwischen maximalem LTV und Liquidation Threshold bestimmt direkt, wie viel Preisbewegung eine Position toleriert, bevor sie in die Liquidationszone gerät.

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