KryptoRatgeber

Glossar

Liquidation Penalty (Liquidationsstrafe)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Liquidation Penalty (Liquidationsstrafe) ist ein protokollseitig festgelegter Strafabschlag, der bei der Zwangsliquidation einer unterbesicherten Kreditposition in DeFi-Lending-Protokollen anfällt und direkt vom Kollateral des Kreditnehmers einbehalten wird.

Funktionsweise im DeFi-Kontext

In dezentralen Lending-Protokollen wie Aave, Compound oder MakerDAO müssen Kreditnehmer ihre Darlehen überbesichern – das heißt, der hinterlegte Kollateralwert muss den Darlehenswert jederzeit um einen definierten Faktor übersteigen. Sinkt der Kollateralwert durch Marktbewegungen unter den sogenannten Liquidation Threshold, ist die Position technisch insolvent. Das Protokoll erlaubt es dann externen Akteuren – den sogenannten Liquidatoren –, die ausstehende Schuld zu begleichen und das Kollateral dafür zu übernehmen.

Damit diese Liquidatoren überhaupt einen ökonomischen Anreiz haben, das Protokoll aktiv zu schützen, erhalten sie das Kollateral zu einem Abschlag auf den aktuellen Marktwert. Dieser Abschlag ist die Liquidation Penalty. Kauft ein Liquidator also Kollateral im Wert von 100 Einheiten, zahlt er dafür – je nach Protokoll und Risikoklasse des Assets – nur 85 bis 95 Einheiten. Die Differenz deckt Transaktionskosten, Preisunsicherheit und den Gewinn des Liquidators.

Für den Kreditnehmer ist die Konsequenz eindeutig: Er verliert nicht nur durch den Marktpreisrückgang des Kollaterals, sondern trägt zusätzlich den Penalty-Betrag als unmittelbaren Vermögensverlust. Ein Kreditnehmer, dessen Position liquidiert wird, erhält nach Begleichung der Schuld weniger Kollateral zurück, als rechnerisch noch vorhanden wäre – der Differenzbetrag verbleibt beim Liquidator.

Governance und Risikoklassen

Die Höhe der Liquidation Penalty ist kein technischer Fixwert, sondern wird durch die jeweilige Protokoll-Governance festgelegt. Für volatilere oder weniger liquide Assets werden typischerweise höhere Penalty-Sätze angesetzt, da das Risiko eines schnellen Wertverlusts während des Liquidationsprozesses steigt. Für etablierte, hochliquide Assets fallen die Sätze entsprechend niedriger aus.

Die Liquidation Penalty erfüllt damit eine Doppelfunktion: Sie ist Anreizmechanismus für Liquidatoren und gleichzeitig ein Sicherheitspuffer für das Protokoll, der gewährleistet, dass insolvente Positionen zeitnah geschlossen werden – bevor das Kollateral den Darlehenswert unterschreitet und ungedeckte Verluste entstehen.

Abgrenzung

Die Liquidation Penalty ist nicht zu verwechseln mit dem Liquidation Threshold (dem Auslöseschwellenwert) oder dem Health Factor (dem Echtzeit-Gesundheitsindikator einer Position). Diese Werte bestimmen, wann eine Liquidation eintritt; die Penalty bestimmt, wie viel dabei einbehalten wird.

Verwandte Begriffe