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Glossar

Lineare Skala

Aktualisiert 12. Juni 2026

Lineare Skala ist eine Darstellungsform für die Y-Achse eines Preischarts, bei der jede gleich große absolute Einheit – etwa 1.000 USD – unabhängig vom Preisniveau immer dieselbe physische Höhe im Chart einnimmt. Sie wird auch als arithmetische Skala bezeichnet.

Funktionsweise

Das Prinzip entspricht einem herkömmlichen Lineal: Der Abstand zwischen 10.000 und 11.000 USD ist im Chart genauso groß wie der Abstand zwischen 60.000 und 61.000 USD – beide repräsentieren exakt 1.000 USD. Daraus folgt, dass absolute Preisabstände direkt visuell vergleichbar sind, prozentuale Veränderungen jedoch nicht. Eine Kursverdoppelung von 5.000 auf 10.000 USD – ein Anstieg von 100 % – sieht auf der linearen Skala optisch deutlich kleiner aus als eine Bewegung von 60.000 auf 70.000 USD, die lediglich rund 17 % entspricht, aber einen zehnfach größeren absoluten Betrag darstellt.

Dieses Verhalten hat konkrete Konsequenzen für die Chartanalyse: Frühe Preisphasen eines Vermögenswerts mit extremen Kursanstiegen, wie sie bei Bitcoin beobachtet wurden, werden auf der linearen Skala optisch zusammengequetscht. Trendkanäle, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus sowie Chartmuster können dadurch verzerrt wirken und zu anderen Schlussfolgerungen führen als auf einer logarithmischen Skala – selbst bei identischen Rohdaten.

Wann ist die lineare Skala sinnvoll?

Für kurzfristige Analysen und Märkte, die sich seitwärts oder in einem engen absoluten Preisband bewegen, ist die lineare Skala gut geeignet. Wenn ein Trader absolute Preisabstände – etwa zur Beurteilung von Stop-Loss-Abständen in USD – direkt ablesen möchte, liefert sie klare, unverzerrte Informationen. Auch bei Vermögenswerten mit begrenzter Kursspanne und ohne dramatische historische Wachstumsraten entsteht kein wesentlicher Nachteil gegenüber der logarithmischen Darstellung.

Für Langzeitcharts von Kryptowährungen mit mehreren Größenordnungen Kursentwicklung hingegen wird häufig die logarithmische Skala bevorzugt, da sie prozentuale Veränderungen proportional abbildet und frühe Preisphasen nicht komprimiert.

Wichtiger Hinweis: Die Wahl der Skalierung ist ein analytisches Werkzeug zur besseren Einordnung von Preisbewegungen – sie stellt kein Handelssignal dar. Chartmuster und visuelle Trendstrukturen, die auf einer Skala plausibel erscheinen, können auf der anderen verschwinden oder sich verändern. Technische Analyse birgt grundsätzlich das Risiko des Scheiterns; vergangene Kursmuster erlauben keine verlässlichen Rückschlüsse auf künftige Preisentwicklungen.

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