Glossar
Routing (Lightning)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Routing (Lightning) ist das Verfahren, mit dem das Bitcoin Lightning Network einen Zahlungspfad durch eine Kette verbundener Nodes findet, wenn zwischen Sender und Empfänger kein direkter Kanal existiert.
Wie eine Zahlung ihren Weg findet
Besteht zwischen zwei Parteien kein direkter Zahlungskanal, sucht das Protokoll nach einer Abfolge von Zwischenknoten, die jeweils miteinander verbunden sind. Ein konkretes Beispiel: Alice will Bob bezahlen, hat aber keinen direkten Kanal zu ihm. Existiert jedoch ein Kanal zwischen Alice und Carol sowie zwischen Carol und Bob, kann die Zahlung über Carol weitergeleitet werden – ohne dass Alice und Bob jemals direkt verbunden sein müssen.
Entscheidend ist dabei das Prinzip des Source Routing: Die Route wird vollständig vom Sender berechnet, nicht von den weiterleitenden Nodes. Alice kennt also den gesamten Pfad, bevor die Zahlung losgeschickt wird. Die Zwischenknoten erhalten dagegen nur die Information, die sie für ihre jeweilige Weiterleitung benötigen – nicht mehr.
Onion Routing und HTLCs als technische Grundlage
Für die Privatsphäre der Beteiligten sorgt Onion Routing: Die Routing-Informationen werden in mehreren Verschlüsselungsschichten verpackt. Jeder Zwischenknoten kann ausschließlich die Adresse seines unmittelbaren Vorgängers und Nachfolgers entschlüsseln; der vollständige Zahlungspfad bleibt ihm verborgen.
Die Absicherung jedes einzelnen Weiterleitungsschritts übernehmen Hashed TimeLock Contracts (HTLCs). Sie stellen sicher, dass eine Zahlung entweder vollständig durchläuft oder vollständig rückabgewickelt wird – ein Teilabzug durch einen unehrlichen Zwischenknoten ist konstruktionsbedingt ausgeschlossen.
Jeder weiterleitende Node darf eine kleine Routing-Fee erheben. Die Pfadfindung läuft daher rückwärts vom Empfänger zum Sender: Nur so lassen sich die anfallenden Gebühren entlang des gesamten Pfads korrekt einkalkulieren, bevor die Zahlung initiiert wird.
Praktische Bedeutung und Grenzen
Routing macht das Lightning Network zu einem vermaschten Liquiditätsnetz statt einer bloßen Sammlung bilateraler Kanäle. Die Qualität des Routings hängt jedoch direkt von der Liquiditätsverteilung im Netzwerk ab: Fehlt ausreichend Guthaben in den richtigen Kanälen, schlägt ein Zahlungsversuch fehl, und der Sender muss einen alternativen Pfad berechnen. Dieses Liquiditätsproblem ähnelt strukturell dem Korrespondenzbankensystem, wo die Verfügbarkeit von Mitteln bei Zwischenbanken über den Erfolg einer Überweisung entscheidet.