Glossar
Leitzins
Aktualisiert 12. Juni 2026
Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei ihrer Zentralbank Geld leihen oder dort Guthaben anlegen können — er bildet das geldpolitische Fundament, auf dem alle nachgelagerten Zinssätze einer Volkswirtschaft aufbauen.
Drei Sätze, ein Begriff
Im Euroraum legt die Europäische Zentralbank (EZB) nicht einen, sondern drei Leitzinssätze fest: den Hauptrefinanzierungssatz, den Spitzenrefinanzierungssatz und die Einlagefazilität. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht „der Leitzins" stellvertretend für den Hauptrefinanzierungssatz — also den Satz, zu dem Banken sich für eine Woche Zentralbankgeld beschaffen können. Der Spitzenrefinanzierungssatz gilt für kurzfristige Übernachtkredite und liegt etwas höher; die Einlagefazilität verzinst Überschussliquidität, die Banken bei der EZB parken, und liegt entsprechend darunter.
Wirkungskette vom Zentralbanksaal bis zur Krypto-Börse
Die Logik ist direkt: Steigt der Hauptrefinanzierungssatz, verteuert sich die Liquiditätsbeschaffung der Banken. Diese geben den Mehraufwand über höhere Kredit- und Hypothekenzinsen an Unternehmen und Verbraucher weiter. Gleichzeitig steigen Sparzinsen, weil Banken Einlagen stärker vergüten müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Sinkende Leitzinsen kehren diesen Mechanismus um: Kredite werden günstiger, die Kreditvergabe nimmt zu, und Kapital sucht ertragreichere Anlagen.
Der Interbankenzins EURIBOR — Referenzgröße für Millionen variabler Hypothekenverträge — bewegt sich eng im Fahrwasser der EZB-Entscheidungen und vermittelt den Impuls an die Breite des Kreditmarkts.
Für Kryptomärkte ist die Verbindung indirekter, aber nachweisbar. Hohe Leitzinsen erhöhen die Attraktivität risikoarmer Anlagen wie Staatsanleihen; Kapital fließt tendenziell aus spekulativen Märkten ab. Umgekehrt können Zinssenkungserwartungen die Risikobereitschaft erhöhen — sichtbar etwa an den Wahrscheinlichkeiten, die Optionsmärkte vor Fed-Sitzungen einpreisen. Zentralbankentscheidungen in Washington und Frankfurt gelten damit als makroökonomische Rahmenbedingung, die auch Kryptowährungen betrifft, ohne deren innere Marktstruktur direkt zu berühren.
Abgrenzung: Leitzins ≠ Marktzins
Der Leitzins ist ein administrativ gesetzter Ankerpunkt, kein Marktergebnis. Marktzinsen wie der EURIBOR oder Renditen zehnjähriger Staatsanleihen bilden sich im Zusammenspiel von Angebot, Nachfrage und Erwartungen — sie orientieren sich am Leitzins, weichen aber je nach Risikoprämien und Laufzeiten davon ab.