Glossar
Kursgap
Aktualisiert 12. Juni 2026
Ein Kursgap (auch: Kurslücke) ist eine sichtbare Preislücke im Chart, die entsteht, wenn der Eröffnungskurs einer neuen Handelsperiode deutlich über oder unter dem Schlusskurs der vorherigen Periode liegt – ohne dass in diesem Preisbereich gehandelt wurde.
Entstehung und Typen
Klassisch entstehen Gaps zwischen zwei Handelssitzungen. Eine Aktie schließt am Dienstag bei 50 EUR und eröffnet am Mittwoch bei 52 EUR: Im Tageschart klafft eine sichtbare Lücke von 2 EUR. Auslöser sind häufig Unternehmensnachrichten, Quartalszahlen, Analysten-Upgrades oder makroökonomische Ereignisse, die außerhalb der Handelszeiten bekannt werden.
Die Charttechnik unterscheidet mindestens drei Typen:
- Breakaway Gap (Ausbruchslücke): Entsteht oft mit überdurchschnittlichem Volumen am Beginn einer neuen Trendbewegung – etwa wenn der Kurs einen bedeutenden Widerstand nach oben überspringt oder eine Unterstützung nach unten durchbricht.
- Runaway Gap / Continuation Gap (Fortsetzungslücke): Tritt inmitten eines laufenden Trends auf und gilt als Zeichen, dass der bestehende Impuls anhält.
- Exhaustion Gap (Erschöpfungslücke): Erscheint am vermeintlichen Ende eines Trends und signalisiert, dass die treibende Kraft nachlässt.
Kursgaps im Kryptomarkt
Kryptomärkte handeln rund um die Uhr, was das klassische Gap zwischen Sitzungen seltener macht. Dennoch kommen Lücken vor – insbesondere auf Futures-Märkten mit definierten Handelszeiten, nach Wartungspausen von Börsen oder bei Altcoins mit geringerer Liquidität, wo ein einzelner großer Auftrag den Kurs sprunghaft verschiebt. Auch Wochenend-Gaps tauchen bei Krypto-Futures auf, die am Freitagabend schließen und am Sonntag wieder öffnen.
Die Theorie des Gap-Schließens
In der technischen Analyse besagt eine verbreitete Theorie, dass Gaps dazu neigen, früher oder später „geschlossen" zu werden – der Kurs kehrt also in den zuvor ausgesparten Preisbereich zurück. Empirisch lässt sich das für viele, aber keineswegs alle Gaps beobachten. Erschöpfungslücken schließen sich statistisch häufiger als Ausbruchslücken, die mitunter lange offen bleiben.
Wichtiger Hinweis: Die Identifikation eines Kursgap-Typs ist keine Handelsempfehlung und kein Signal. Chartmuster und technische Indikatoren liefern keine verlässlichen Prognosen; jedes Muster kann scheitern. Die hier beschriebenen Konzepte dienen ausschließlich dem Verständnis der Terminologie.