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Glossar

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den aktuellen Börsenkurs einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) setzt und damit einen ersten Anhaltspunkt liefert, wie hoch der Markt die Ertragskraft eines Unternehmens bewertet.

Berechnung und Lesart

Die Grundformel lautet:

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie (EPS)

Anstelle des EPS können je nach Analysezweck auch der EBIT je Aktie oder die ausgeschüttete Dividende je Aktie herangezogen werden. Das Ergebnis ist eine dimensionslose Zahl, die angibt, wie viele Jahresgewinne im aktuellen Kurs eingepreist sind — oder anders formuliert: wie viele Jahre ein Unternehmen bei konstantem Gewinn benötigen würde, um seinen Börsenwert allein durch Gewinne zu „verdienen".

Ein konkretes Beispiel: Notiert eine Aktie bei 50 Euro und weist ein EPS von 5 Euro aus, ergibt sich ein KGV von 10. Der Markt zahlt also das Zehnfache des Jahresgewinns. Bei einem EPS von 2 Euro stiege das KGV auf 25 — der Kurs wäre relativ zum Gewinn deutlich höher bewertet.

Einordnung und Grenzen

Ein niedriges KGV wird häufig als Indiz für eine günstigere Bewertung interpretiert, ein hohes KGV kann auf Wachstumserwartungen hindeuten — oder auf Überbewertung. Entscheidend ist der Vergleichsrahmen: Branchen mit hohen Reinvestitionen und langen Wachstumszyklen weisen strukturell andere Durchschnittswerte auf als reife, dividendenstarke Sektoren. Ein KGV ohne Branchenkontext oder historischen Vergleich ist daher wenig aussagekräftig.

Weitere Einschränkungen: Das KGV reagiert empfindlich auf Einmaleffekte im Gewinnausweis, eignet sich nicht für verlustbringende Unternehmen und berücksichtigt weder Verschuldungsgrad noch Liquiditätslage. Ergänzende Kennzahlen wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), das EV/EBITDA oder die Free-Cashflow-Rendite werden deshalb in der Fundamentalanalyse regelmäßig parallel herangezogen.

Im Krypto-Kontext findet das klassische KGV kaum direkte Anwendung, da die meisten Protokolle und Token keine Gewinne im aktienrechtlichen Sinne ausweisen. Adaptierte Metriken wie das Price-to-Earnings-Ratio auf Basis von Protokolleinnahmen oder das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu annualisierten Gebühreneinnahmen versuchen, ähnliche Bewertungslogiken auf dezentrale Netzwerke zu übertragen — mit entsprechend anderen Interpretationsspielräumen.

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