KryptoRatgeber

Glossar

Krypto-Nachlass

Aktualisiert 12. Juni 2026

Krypto-Nachlass ist der Teil des digitalen Nachlasses einer verstorbenen Person, der aus kryptografisch gesicherten Vermögenswerten besteht – namentlich Kryptowährungen, Investment-Token und vergleichbare digitale Einheiten, die auf einer Blockchain verbucht sind.

Rechtliche Grundlage: Automatischer Übergang, aber technische Hürde

Nach deutschem Erbrecht (§ 1942 Abs. 1 BGB) gehen alle Vermögenswerte mit dem Tod des Erblassers automatisch auf die Erben über – Krypto-Assets bilden dabei keine Ausnahme. Der rechtliche Eigentumsübergang vollzieht sich also ohne weiteres Zutun. Die eigentliche Schwierigkeit liegt nicht im Recht, sondern in der Technik: Wer keinen Zugang zum privaten Schlüssel (Private Key) oder zur zugehörigen Seed-Phrase besitzt, kann auf selbstverwahrt gehaltene Werte praktisch nicht zugreifen – unabhängig davon, ob er rechtlich Erbe ist. Die Blockchain kennt keine Ausweispflicht und kein Nachlassgericht.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht das Problem: Ein Erblasser hält Bitcoin in einer Hardware Wallet, ohne Zugangsdaten zu hinterlassen. Die Erben sind rechtlich Eigentümer, faktisch jedoch ausgesperrt. Die Werte bleiben dauerhaft unerreichbar – die Blockchain vergisst keine Transaktion, erlaubt aber auch keine nachträgliche Entsperrung.

Verwahrungsort entscheidet über den Zugangsweg

Bei Krypto-Assets auf zentralen Börsen (Custodial-Verwahrung) ist der Prozess anders gelagert: Die Plattform kontrolliert die Private Keys, weshalb Erben den Zugriff über den regulären Kundendienst beantragen müssen. Viele Anbieter verlangen dafür einen amtlichen Erbschein als Legitimationsnachweis. Dieser Umweg kostet Zeit, ist aber grundsätzlich gangbar – vorausgesetzt, die Erben wissen überhaupt, welche Plattformen der Verstorbene genutzt hat.

Bewertung und steuerliche Relevanz

Krypto-Assets im Nachlass sind zum Verkehrswert (Marktwert) zum Todeszeitpunkt zu bewerten. Diese Bewertung ist unter anderem für die Berechnung von Pflichtteilsansprüchen maßgeblich und kann bei erheblichen Positionen komplex werden, da Kurse stark schwanken und der exakte Todeszeitpunkt dokumentiert sein muss.

Eine strukturierte Nachlassplanung – etwa durch sicher hinterlegte Zugangsdaten, klare Anweisungen zur Verwahrung und ggf. notarielle Absicherung – ist der einzige verlässliche Weg, um zu verhindern, dass Krypto-Assets im Todesfall dauerhaft unzugänglich bleiben.

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