Glossar
Kerzenchart
Aktualisiert 12. Juni 2026
Ein Kerzenchart ist eine grafische Darstellungsform von Kursdaten, bei der jede einzelne „Kerze" vier Preispunkte eines definierten Zeitraums abbildet: Eröffnungskurs, Schlusskurs, Periodenhoch und Periodentief.
Aufbau einer Kerze
Der breite Mittelteil – der Kerzenkörper – zeigt die Spanne zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs. Stieg der Kurs im betrachteten Zeitraum, wird der Körper üblicherweise grün oder weiß dargestellt; fiel er, erscheint er rot oder schwarz. Oberhalb des Körpers ragt der Docht, der das Periodenhoch markiert. Unterhalb liegt die Lunte, die das Periodentief anzeigt. Ein Tageschart enthält also pro Handelstag eine Kerze mit genau diesen vier Werten – ein Stundenchart entsprechend eine pro Stunde.
Diese Darstellung vermittelt auf einen Blick mehr Information als ein einfacher Linienchart, der nur Schlusskurse verbindet: Wer zwischen Eröffnung und Schluss die Kontrolle hatte – Käufer oder Verkäufer –, wie weit der Kurs in beide Richtungen ausschlug und wie stark die Nettobewegung war, lässt sich direkt ablesen.
Historischer Hintergrund und technische Analyse
Kerzencharts stammen aus dem japanischen Reishandel des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Westen verbreitete sie Steve Nison in den 1990er-Jahren durch seine Publikationen zur japanischen Candlestick-Analyse. Seitdem gehören sie in der technischen Analyse von Aktien, Devisen und Kryptowährungen zum Standardwerkzeug.
In der technischen Analyse werden bestimmte Kerzenmuster als Hinweise auf mögliche Kursbewegungen interpretiert. Ein bekanntes Beispiel ist der Hammer: eine Kerze mit kleinem Körper und langer Lunte nach unten, die am Ende eines Abwärtstrends auftritt. Klassisch gilt sie als mögliches bullishes Umkehrsignal – als Hinweis darauf, dass Verkäufer die Kontrolle verlieren könnten und eine Erholung bevorstehen könnte. Weitere Muster wie Doji (kaum Körper, Eröffnung ≈ Schluss) oder Engulfing (eine Kerze „verschluckt" die vorherige) werden ähnlich analysiert.
Wichtiger Hinweis: Kerzenmuster sind keine verlässlichen Handelssignale. Sie liefern statistische Tendenzen, die in der Vergangenheit beobachtet wurden – keine Garantien für künftige Kursbewegungen. Muster können scheitern, falsche Signale liefern oder durch mangelndes Handelsvolumen ihre Aussagekraft verlieren. Dieser Eintrag dient der Erklärung des Konzepts und stellt ausdrücklich keine Anlage- oder Handelsempfehlung dar.