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Glossar

Kagi-Chart

Aktualisiert 12. Juni 2026

Kagi-Chart ist eine zeitunabhängige Chartform, die Preisbewegungen ausschließlich über vertikale Linien auf der y-Achse darstellt – ohne eine klassische Zeitachse (x-Achse). Entwickelt wurde sie in Japan in den 1870er-Jahren, ursprünglich zur Preisbeobachtung im Reishandel; im Westen bekannt gemacht hat sie der Candlestick-Experte Steve Nison.

Funktionsweise: Preis statt Zeit

Der entscheidende Unterschied zu Candlestick- oder Balkencharts liegt darin, dass eine neue Linie nicht nach Ablauf eines Zeitintervalls entsteht, sondern ausschließlich dann, wenn der Kurs um einen vorab festgelegten Betrag in die entgegengesetzte Richtung dreht. Dieser Umkehrbetrag lässt sich als fixer Absolut- oder als Prozentwert definieren. Bewegt sich der Preis weiter in dieselbe Richtung, verlängert sich die bestehende vertikale Linie einfach weiter – unabhängig davon, wie viel Zeit dabei vergeht. Das filtert kleinteilige Kursschwankungen heraus und reduziert visuelles Rauschen.

Ein konkretes Beispiel: Bei einem definierten Umkehrbetrag von 3 % wird eine aufwärts gerichtete Linie so lange nach oben verlängert, bis der Kurs mindestens 3 % unter das zuletzt erreichte Hoch fällt. Erst dann entsteht eine neue, nach unten zeigende Gegenlinie.

Yang- und Yin-Linien

Kagi-Charts unterscheiden zwei Linientypen: Die dicke Yang-Linie zeigt ansteigendes Kursmomentum an, die dünne Yin-Linie fallendes. Der Wechsel von Yin zu Yang – ausgelöst, wenn der Preis ein vorheriges Hoch überschreitet – gilt in der Analyse nach Nison als bullisches Signal; der umgekehrte Wechsel entsprechend als bärisches. Bekannte Setups sind etwa „Buy on new Yang line", „Sell on new Yin line", steigende Schultern (Rising Shoulders) oder fallende Taillen (Falling Waists).

Wichtiger Hinweis: Keines dieser Muster ist ein Handelssignal im normativen Sinne. Chartmuster und technische Indikatoren können – insbesondere in stark volatilen Märkten wie Kryptowährungen – scheitern oder Fehlsignale erzeugen. Die Darstellung dient der Analyse, nicht der Anlageberatung.

Einordnung und Grenzen

Kagi-Charts eignen sich zur Beobachtung längerfristiger Trends, weil sie kurzfristiges Zeitrauschen ausblenden. Der Preis der gewählten Umkehrschwelle ist dabei nicht trivial: Ein zu kleiner Wert erzeugt übermäßig viele Richtungswechsel, ein zu großer Wert verdeckt relevante Bewegungen. Die Methode erfordert daher Erfahrung und sollte stets mit anderen Analysewerkzeugen kombiniert werden.

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