Glossar
Heatmap
Aktualisiert 12. Juni 2026
Heatmap ist eine zweidimensionale, farbcodierte Datenvisualisierung, die numerische Werte durch Farbintensität darstellt: Wärmere Töne (Rot, Orange) signalisieren hohe Intensität, kühlere Töne (Blau, Grün) niedrige. Der Begriff wurde 1993 von Cormac Kinney geprägt und findet im Krypto-Kontext vor allem in drei spezialisierten Ausprägungen Anwendung.
Die drei Haupttypen im Krypto-Kontext
Market-Heatmaps zeigen die Kursperformance eines breiten Coin-Universums auf einen Blick. Jeder Vermögenswert wird als farbiges Rechteck dargestellt, dessen Größe häufig die relative Marktkapitalisierung widerspiegelt. Starke Kursgewinne erscheinen tiefrot, deutliche Verluste tiefblau – so lässt sich das Marktumfeld eines bestimmten Zeitraums sofort erfassen, ohne Einzelcharts sichten zu müssen.
Liquidity-Heatmaps visualisieren ruhende Limit-Orders im Orderbuch über verschiedene Kursniveaus und Zeitpunkte hinweg. Wo sich viele Kauflimits ballen, entsteht eine potenzielle Unterstützungszone; dichte Verkaufslimits können als Widerstand wirken. Da diese Orders bereits im Orderbuch liegen, gelten Liquidity-Heatmaps als vorausschauender Indikator – im Gegensatz zu rein vergangenheitsbasierten Chart-Indikatoren. Professionelle Marktteilnehmer nutzen solche Darstellungen unter anderem, um Stop-Loss-Orders hinter größeren Liquiditätswänden zu platzieren und so vorzeitige Ausstopps durch kurzfristige Kursspitzen zu vermeiden.
Liquidation-Heatmaps kartieren Konzentrationspunkte von Liquidationsniveaus bei Derivate-Positionen. Steigt der Kurs in eine solche Zone, werden gehebelte Short-Positionen zwangsliquidiert; fällt er dort hinein, trifft es Long-Positionen. Die Heatmap macht sichtbar, wo größere Verwerfungen durch kaskadierende Liquidationen entstehen könnten.
Einordnung und Grenzen
Heatmaps sind Analysewerkzeuge, keine Prognosemodelle. Eine dichte Liquiditätswand bedeutet nicht zwingend, dass der Kurs dort dreht – große Marktteilnehmer können Orders kurzfristig verschieben oder gezielt gegen sichtbare Cluster handeln. Erkennbare Muster und Indikatoren können jederzeit versagen; keine Heatmap stellt ein Handelssignal dar und ersetzt keine eigenständige Risikoabwägung.
Sinnvoll eingesetzt ergänzen Heatmaps klassische Charttechnik wie das Handelsvolumen-Profil, weil sie eine Dimension hinzufügen, die reine Preischarts nicht abbilden: die Verteilung von Markttiefe und gehebeltem Engagement über den Kursverlauf.