Glossar
Gartley-Muster
Aktualisiert 12. Juni 2026
Das Gartley-Muster ist ein harmonisches Chartmuster der technischen Analyse, das aus fünf Punkten (X, A, B, C, D) und vier aufeinanderfolgenden Preisschwüngen (XA, AB, BC, CD) besteht und an festgelegten Fibonacci-Verhältnissen ausgerichtet wird, um eine potenzielle Umkehrzone zu identifizieren.
Ursprung und Struktur
H. M. Gartley stellte das Muster 1935 in seinem Werk Profits in the Stock Market vor – auf Seite 222, weshalb es auch als „Gartley 222" bekannt ist. Der Ausgangspunkt ist der Schwung XA, der die größte Preisbewegung im Muster darstellt. Darauf folgt AB als Korrektur, anschließend BC als Gegenbewegung und schließlich CD als finaler Schwung. Punkt D markiert die sogenannte Potential Reversal Zone (PRZ) – jenen Bereich, in dem das Muster als abgeschlossen gilt.
Die Gültigkeit des Musters hängt von präzisen Fibonacci-Bedingungen ab: AB muss 61,8 % von XA retracen; BC retracet 38,2 % bis 88,6 % von AB; CD retracet 78,6 % von XA. Weichen die Schwünge von diesen Verhältnissen ab, liegt kein regelkonformes Gartley-Muster vor.
Bullisch und bärisch
Je nach Richtung der XA-Bewegung unterscheidet man zwei Varianten. Das bullische Gartley bildet eine W-ähnliche Form: XA verläuft aufwärts, die nachfolgenden Schwünge korrigieren, und Punkt D liegt tiefer als X. Das bärische Gartley zeigt eine M-ähnliche Form mit umgekehrter Logik. In beiden Fällen gilt Punkt D als Zone, in der Chartanalysten eine Trendwende beobachten – ob diese eintritt, ist damit jedoch nicht vorhergesagt.
Einordnung und Grenzen
Das Gartley-Muster wird in Aktien-, Forex- und Kryptowährungsmärkten angewendet. Softwaretools und Charting-Plattformen können das Muster automatisch scannen, was zu seiner Verbreitung beigetragen hat. Entscheidend für die korrekte Einordnung ist: Das Muster beschreibt eine geometrische Preisstruktur auf Basis historischer Kursbewegungen – es trifft keine Aussage darüber, wie sich ein Markt künftig verhält. Wie alle technischen Muster scheitert auch das Gartley-Muster regelmäßig, besonders in trendstarken oder illiquiden Marktphasen. Die Identifikation eines Musters ist kein Handelssignal und keine Anlageempfehlung.