Glossar
Gann-Theorie
Aktualisiert 12. Juni 2026
Gann-Theorie ist ein Ansatz der technischen Analyse, der auf den Arbeiten des US-amerikanischen Traders William Delbert Gann (1878–1955) basiert und Preisbewegungen anhand geometrischer Winkel, mathematischer Verhältnisse und wiederkehrender Zeitzyklen beschreibt.
Grundprinzip: Geometrie statt Zufall
Gann vertrat die Auffassung, dass Märkte keinen zufälligen Bewegungen folgen, sondern natürlichen Gesetzmäßigkeiten unterliegen, die sich in geometrischen Strukturen und zyklischen Mustern ausdrücken. Sein zentrales Werkzeug sind die Gann-Winkel: Geraden auf einem Preischart, die ein festes Verhältnis zwischen Zeit und Preis herstellen. Der wichtigste davon ist der 1×1-Winkel (45°), der eine Einheit Preisveränderung pro Einheit Zeit repräsentiert. Daneben existieren steilere Winkel wie der 2×1 (zwei Preiseinheiten pro Zeiteinheit) und flachere wie der 1×2. Ergänzend dazu nutzte Gann das Square of Nine – ein spiralförmiges Zahlenraster, das Preis- und Zeitpunkte miteinander in Beziehung setzt – sowie verschiedene Zeitzyklen, um potenzielle Wendepunkte zu identifizieren.
Rule of All Angles und Kombination mit Unterstützungsniveaus
Die sogenannte Rule of All Angles besagt: Bricht der Markt durch einen Gann-Winkel hindurch, tendiert er dazu, sich zum nächsten Winkel zu bewegen. In der Praxis werden Gann-Winkel häufig mit horizontalen Unterstützungs- und Widerstandsniveaus kombiniert. Trifft etwa ein fallender Gann-Winkel auf ein 50-Prozent-Retracement-Niveau, gilt dieser Schnittpunkt als potenziell bedeutsamer Widerstandsbereich. Solche Kombinationen sollen helfen, relevante Preisniveaus präziser einzugrenzen.
Anwendung im Krypto-Bereich und kritische Einordnung
Technische Analysten setzen Gann-Methoden auch im Kryptowährung-Handel ein – unter anderem bei Bitcoin-Charts, wo Gann-Winkel und Zeitzyklen zur Chartanalyse herangezogen werden. Die Popularität rührt unter anderem daher, dass Gann-Werkzeuge in gängigen Charting-Plattformen verfügbar sind.
Gleichzeitig ist die Theorie nicht unumstritten: Die Wahl des richtigen Startpunkts für einen Gann-Winkel ist subjektiv und beeinflusst das Ergebnis erheblich. Empirische Belege für eine zuverlässige Prognosekraft fehlen weitgehend. Wie bei allen Methoden der technischen Analyse gilt: Historische Muster sind keine Garantie für künftige Bewegungen, und Gann-Werkzeuge stellen kein Handelssignal dar. Muster können scheitern; Verluste sind jederzeit möglich.