Glossar
Fibonacci Fan
Aktualisiert 12. Juni 2026
Fibonacci Fan ist ein Werkzeug der technischen Analyse, das Fibonacci-Ratios mit dynamischen Trendlinien verbindet, um potenzielle Support- und Resistancezonen in einem Preischart sichtbar zu machen.
Konstruktion: Wie der Fächer entsteht
Die Grundlage bildet eine Basislinie zwischen zwei markanten Punkten – einem signifikanten Hoch und einem signifikanten Tief. Vom zweiten Extrempunkt aus wird gedanklich eine senkrechte Linie gezogen, deren Länge der vertikalen Distanz zwischen beiden Punkten entspricht. Auf dieser unsichtbaren Vertikalen werden die klassischen Fibonacci-Niveaus 23,6 %, 38,2 % und 61,8 % markiert. Durch diese drei Punkte verlaufen dann die eigentlichen Fächerlinien – jeweils zurück zum Ausgangspunkt der Basislinie. Das Ergebnis ist ein fächerförmiges Linienbündel, das den Chartnamen erklärt.
Die Ratios selbst leiten sich aus der Fibonacci-Sequenz ab, in der jede Zahl die Summe der beiden vorhergehenden ist. Das Verhältnis aufeinanderfolgender Glieder nähert sich dem Goldenen Schnitt (≈ 1,618) an – einem Verhältnis, das auch in anderen Fibonacci-Werkzeugen wie dem Fibonacci-Retracement oder der Fibonacci-Extension eine zentrale Rolle spielt.
Steigende und fallende Fächerlinien
Bei einem steigenden Fibonacci Fan (Rising Fan) liegt der Ausgangspunkt im Tief. Die Linien verlaufen von dort nach oben und gelten als potenzielle Supportzonen: Nähert sich der Kurs nach einer Aufwärtsbewegung einer dieser Linien, beobachten Trader, ob der Preis dort Halt findet oder weiterfällt.
Bei einem fallenden Fibonacci Fan (Falling Fan) ist das Ausgangspunkt ein Hoch. Die Linien verlaufen nach unten und markieren mögliche Resistancebereiche – Zonen, an denen ein Kursanstieg gebremst werden könnte.
Der entscheidende Unterschied zu statischen Fibonacci-Retracement-Horizontalen: Die Fächerlinien sind diagonal und damit zeitabhängig. Ein und dasselbe Level liegt je nach Zeitpunkt der Betrachtung an unterschiedlichen Kurswerten. Das macht den Fibonacci Fan zu einem dynamischen, nicht zu einem fixen Analyseinstrument.
Einordnung und Grenzen
Das Werkzeug ist in gängigen Charting-Plattformen standardmäßig verfügbar und lässt sich auf alle liquiden Märkte anwenden – einschließlich Kryptowährungen. Trader kombinieren den Fibonacci Fan in der Regel mit weiteren Indikatoren wie Volumen, gleitenden Durchschnitten oder Candlestick-Mustern, weil kein einzelnes Werkzeug der technischen Analyse zuverlässige Handelssignale liefert. Fächerlinien können gebrochen werden, Muster scheitern – der Fibonacci Fan ist kein Handelssignal und keine Prognose, sondern ein Hilfsmittel zur Strukturierung von Preischarts.