Glossar
Exit Scam
Aktualisiert 12. Juni 2026
Exit Scam bezeichnet eine vorsätzliche Betrugsform, bei der Betreiber eines scheinbar legitimen Projekts oder einer Plattform das Vertrauen der Nutzer aufbauen, Gelder einsammeln und anschließend mit diesen Mitteln untertauchen – ohne die versprochene Gegenleistung zu erbringen.
Typisches Muster
Der Ablauf folgt einem wiederkehrenden Schema: Zunächst wird Glaubwürdigkeit aufgebaut – durch ein professionell wirkendes Auftreten, ein aktives Team in sozialen Medien oder eine scheinbar funktionierende Plattform. In der nächsten Phase werden Nutzergelder gebunden, etwa über Token-Vorverkäufe (ICOs), Einlagen auf einer Kryptobörse oder Liquiditätsbereitstellung in DeFi-Protokollen. Ist genug Kapital akkumuliert, stellen die Verantwortlichen den Betrieb abrupt ein, löschen Kommunikationskanäle und verschwinden.
Die hohe Verbreitung im Krypto-Bereich erklärt sich durch strukturelle Merkmale: Transaktionen auf öffentlichen Blockchains sind zwar transparent, aber pseudonym; regulatorische Zuständigkeiten sind grenzüberschreitend kaum durchsetzbar; und der Einstieg als Projektbetreiber erfordert technisch wenig Aufwand.
Abgrenzung: Rug Pull und klassischer Exit Scam
Im DeFi-Kontext wird häufig der Begriff Rug Pull verwendet. Er beschreibt einen spezifischen Mechanismus: Entwickler ziehen die Liquidität aus einem dezentralen Protokoll ab oder verkaufen vorab zurückbehaltene Token-Reserven, woraufhin der Token-Kurs kollabiert. Der Exit Scam ist der übergeordnete Begriff – ein Rug Pull ist eine technische Ausprägung davon.
Ein viel zitiertes Beispiel außerhalb des DeFi-Bereichs ist die kanadische Kryptobörse QuadrigaCX. Nach dem Tod des Gründers im Jahr 2018 stellte sich heraus, dass Kundengelder in Höhe von schätzungsweise 190 bis 250 Millionen kanadischen Dollar fehlten. Nachfolgende Untersuchungen legten nahe, dass ein erheblicher Teil der Mittel bereits zuvor zweckentfremdet worden war – der Fall weist damit Merkmale eines Exit Scams auf, auch wenn die genauen Umstände juristisch komplex blieben.
Schutz durch Selbstverwahrung
Eine direkte Konsequenz aus Exit-Scam-Risiken ist das Prinzip der Selbstverwahrung: Wer private Schlüssel nicht selbst kontrolliert, ist auf die Integrität des jeweiligen Plattformbetreibers angewiesen. Custodial Wallets übertragen diese Kontrolle an Dritte – mit entsprechendem Gegenparteirisiko. Non-Custodial Wallets hingegen lassen Gelder im alleinigen Zugriff des Inhabers.