Glossar
Dow-Theorie
Aktualisiert 12. Juni 2026
Die Dow-Theorie ist ein Rahmenwerk der technischen Analyse, das Marktbewegungen anhand von Trendstrukturen beschreibt und auf eine Serie von Leitartikeln zurückgeht, die Charles H. Dow Ende des 19. Jahrhunderts im Wall Street Journal veröffentlichte – einem Blatt, das er mitgegründet hatte.
Historischer Ursprung
Dow entwickelte die Grundlagen seiner Marktbeobachtungen parallel zur Konstruktion des Dow Jones Industrial Average (DJIA), den er 1896 gemeinsam mit Edward Jones und Charles Bergstresser schuf. Die Theorie selbst wurde erst nach Dows Tod 1902 von späteren Analysten systematisch zusammengefasst und unter dem heutigen Namen bekannt. Sie gilt bis heute als eine der Wurzeln moderner Chartanalyse.
Drei Trendebenen und das Bestätigungsprinzip
Das Kernstück der Theorie ist die Unterscheidung von drei Trendebenen:
- Primärtrend – die übergeordnete Marktrichtung, die sich über Monate bis Jahre erstreckt (klassischer Bullen- oder Bärenmarkt).
- Sekundärtrend – mittelfristige Gegenbewegungen, die den Primärtrend vorübergehend unterbrechen; typischerweise Wochen bis Monate.
- Tertiärtrend – kurzfristige Schwankungen im Tagesbereich, die Dow selbst als wenig aussagekräftig betrachtete.
Ein Aufwärtstrend liegt vor, wenn aufeinanderfolgende Hochs und Tiefs jeweils höher liegen als ihre Vorgänger; beim Abwärtstrend gilt die umgekehrte Logik. Entscheidend ist dabei das Bestätigungsprinzip: Im klassischen Modell galt ein Trendsignal erst dann als valide, wenn sowohl der DJIA als auch der Dow Jones Transportation Average (DJTA) dieselbe Richtung anzeigten. Die Logik dahinter: Wenn die Industrie produziert, muss auch der Transport florieren – eine Divergenz zwischen beiden Indizes galt als Warnsignal.
Anwendung auf Kryptomärkte
Da die Theorie auf dem allgemeinen Prinzip steht, dass Märkte in strukturierten Trends verlaufen, lässt sie sich konzeptionell auf Aktien, Devisen, Rohstoffe und Kryptowährungen übertragen. In der Praxis beobachten Analysten etwa, ob Bitcoin und der breitere Kryptomarkt gemeinsam neue Hochs oder Tiefs bestätigen, bevor sie eine Trendaussage treffen.
Wichtiger Hinweis: Die Dow-Theorie liefert keine präzisen Einstiegs- oder Ausstiegspunkte und lässt erheblichen Interpretationsspielraum. Muster und Indikatoren können scheitern – dieser Eintrag beschreibt ausschließlich ein analytisches Konzept und stellt keine Handelsempfehlung dar.