Glossar
Doji
Aktualisiert 12. Juni 2026
Doji ist ein japanischer Begriff (どうじ / 同事, wörtlich „gleiche Sache") für ein Kerzenchartmuster, bei dem Eröffnungs- und Schlusskurs einer Handelsperiode nahezu identisch sind – der Kerzenkörper ist daher minimal oder nicht vorhanden, während die Dochte (Schatten) nach oben und unten unterschiedlich weit ausschlagen können.
Aufbau und Varianten
Eine Doji-Kerze ähnelt einem Kreuz oder Pluszeichen: Der horizontale Strich markiert den Preis, zu dem Eröffnung und Schluss zusammenfallen; die vertikalen Linien zeigen das Kursspektrum innerhalb der Periode. Anhand der Docht-Geometrie unterscheiden Chartanalysten vier gängige Typen:
- Allgemeiner Doji – annähernd gleich lange Dochte nach oben und unten, Körper in der Mitte.
- Grabstein-Doji – langer oberer Docht, kein oder minimaler unterer Docht; der Preis stieg während der Periode deutlich an, fiel aber bis Schluss auf das Eröffnungsniveau zurück.
- Libellen-Doji – spiegelbildlich: langer unterer Docht, kein oberer; typisch für Phasen, in denen Verkaufsdruck absorbiert wurde.
- Langbeiniger Doji – sehr lange Dochte in beide Richtungen, was auf eine besonders intensive Auseinandersetzung zwischen Käufern und Verkäufern hindeutet.
Bedeutung im Chartkontext
Ein Doji allein sagt wenig aus. Er zeigt primär eine Pattsituation: Käufer und Verkäufer haben sich über eine Periode hinweg gegenseitig neutralisiert. Ob daraus eine Trendumkehr, eine Fortsetzung oder schlicht Orientierungslosigkeit folgt, hängt stark vom Kontext ab.
Erscheint ein Doji nach einer ausgeprägten Aufwärtsbewegung oder in einem Bereich, den Analysten als „überkauft" einschätzen, interpretieren manche Chartanalysten dies als Hinweis auf nachlassende Kaufdynamik. Ein Grabstein-Doji nach einer langen bullischen Kerze wäre ein typisches Beispiel. Umgekehrt verliert der Libellen-Doji in einem seitwärts laufenden Markt ohne klaren Vortrend erheblich an Aussagekraft.
Wichtig: Ein Doji ist kein Handelssignal. Er liefert keinen Hinweis darauf, was der Kurs als nächstes tun wird, und sollte niemals isoliert als Entscheidungsgrundlage verwendet werden. Chartmuster – einschließlich des Doji – scheitern regelmäßig, insbesondere in volatilen Märkten wie dem Kryptobereich. Die Effizienzmarkthypothese bestreitet die generelle Verlässlichkeit technischer Muster grundsätzlich. Erfahrene Analysten kombinieren den Doji daher mit weiteren Indikatoren und betrachten stets den übergeordneten Trendkontext sowie nachfolgende Kerzen zur Bestätigung.