Glossar
Derivation Path
Aktualisiert 12. Juni 2026
Ein Derivation Path ist eine strukturierte Pfadangabe, die einem Hierarchisch Deterministischen (HD) Wallet exakt vorschreibt, welchen Schlüssel es aus dem Master-Seed ableiten soll. Der Pfad fungiert damit als Adresse innerhalb eines baumförmigen Schlüsselsystems: Aus einem einzigen Seed lassen sich Tausende eindeutiger Schlüsselpaare erzeugen – welches davon gemeint ist, bestimmt ausschließlich der Pfad.
Aufbau und Notation
Die Standardnotation folgt dem Schema:
`` m / purpose' / coin_type' / account' / change / address_index ``
Jedes Segment steht für eine Ableitungsstufe. m bezeichnet den Master-Key, den Ursprung des gesamten Schlüsselbaums. Die nachfolgenden Ebenen sind:
- purpose' – gibt den genutzten Standard an (z. B. 44 für BIP-44, 49 für BIP-49, 84 für BIP-84)
- coin_type' – codiert die Blockchain (0 für Bitcoin, 60 für Ethereum)
- account' – ermöglicht die Trennung mehrerer Konten unter demselben Seed
- change – unterscheidet Empfangsadressen (0) von internen Wechselgeldadressen (1)
- address_index – zählt einzelne Adressen innerhalb eines Kontos durch
Das Apostroph-Zeichen (') kennzeichnet eine sogenannte gehärtete Ableitung. Dabei fließt der private Schlüssel der Elternebene in die Berechnung ein, was verhindert, dass ein kompromittierter Kindschlüssel Rückschlüsse auf Geschwisterschlüssel erlaubt – ein wesentlicher Sicherheitsgewinn.
Ein konkretes Beispiel: Der Pfad m/44'/60'/0'/0/0 führt zur ersten Empfangsadresse des ersten Ethereum-Kontos nach BIP-44. Ändert sich nur die letzte Ziffer auf 1, erhält man bereits eine andere Adresse desselben Kontos.
Warum der Pfad dokumentiert werden muss
Der Derivation Path ist determinisch: Gleicher Seed und gleicher Pfad ergeben stets denselben Schlüssel. Daraus folgt eine praktische Konsequenz für die Verwahrung: Wer seinen Seed sichert, aber den verwendeten Pfad nicht festhält, riskiert bei der Wiederherstellung in einer anderen Wallet-Software, dass Guthaben scheinbar fehlt. Technisch ist es noch vorhanden – es liegt schlicht unter einem anderen Pfad, den die neue Software nicht automatisch durchsucht.
Verschiedene Wallet-Hersteller und Software-Implementierungen verwenden zum Teil abweichende Standard-Pfade, selbst für dieselbe Blockchain. Wer zwischen Wallets wechselt oder eine Hardware Wallet wiederherstellt, sollte daher den ursprünglichen Pfad kennen und dokumentiert haben.
Die Kombination aus BIP-32-Grundstruktur, BIP-44-Mehrkonten-Logik und den SegWit-Erweiterungen BIP-49 sowie BIP-84 deckt den Großteil der heute genutzten Derivation Paths ab und bildet die gemeinsame Basis der meisten modernen Wallets.