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Glossar

Depth Chart

Aktualisiert 12. Juni 2026

Depth Chart ist eine grafische Echtzeit-Darstellung des Orderbuchs eines Handelspaares, die offene Kauf- und Verkaufsorders nach Preisniveau und kumulierter Menge visualisiert.

Aufbau und Lesart

Die X-Achse zeigt den Preis des gehandelten Assets, die Y-Achse die kumulierte Menge aller noch nicht ausgeführten Limit-Orders. Zwei Kurven teilen das Diagramm: Die grüne Kurve links bildet die Bids ab – alle Kauforders unterhalb des aktuellen Marktpreises. Die rote Kurve rechts zeigt die Asks – alle Verkaufsorders oberhalb des Marktpreises. Beide Kurven verlaufen treppenförmig nach außen, weil sich Orders auf bestimmten Preisniveaus ballen. Wo sich die beiden Kurven annähern, liegt der aktuelle Marktpreis; der Abstand zwischen dem höchsten Bid und dem niedrigsten Ask entspricht dem Spread.

Besonders markante Stufen – sogenannte Walls – entstehen, wenn an einem einzelnen Preisniveau ungewöhnlich viele Orders akkumuliert sind. Eine große Bid-Wall kann als potenzielle Unterstützungszone interpretiert werden, weil Verkaufsorders dort auf erhebliche Nachfrage treffen. Eine Ask-Wall wirkt entsprechend als mögliche Widerstandszone. Wichtig: Diese Interpretation liefert kein Handelssignal. Walls können jederzeit durch Stornierungen oder Marktmanipulation verschwinden, und Muster sowie Indikatoren scheitern regelmäßig.

Markttiefe und Spoofing

Je dichter die Orders auf beiden Seiten des Orderbuchs verteilt sind, desto „tiefer" gilt der Markt. Hohe Markttiefe bedeutet, dass selbst größere Orders ausgeführt werden können, ohne den Preis stark zu bewegen – ein Merkmal liquider Märkte. Dünne Markttiefe hingegen deutet auf geringe Liquidität hin; bereits mittelgroße Orders können dort erhebliche Preisbewegungen auslösen.

Das Depth Chart kann außerdem Hinweise auf Spoofing liefern: Tauchen große Orders kurzfristig auf und verschwinden kurz darauf wieder, ohne ausgeführt worden zu sein, könnte dies auf absichtliche Marktmanipulation hinweisen. Solche Orders sollen das wahrgenommene Angebot oder die Nachfrage verzerren und andere Marktteilnehmer zu Fehlentscheidungen verleiten. Ein Beweis für Manipulation ist das allein nicht – es bleibt ein Beobachtungshinweis, der weiterer Analyse bedarf.

In der Praxis nutzen Händler das Depth Chart zur Einschätzung des aktuellen Marktsentiments sowie zur groben Orientierung bei der Wahl von Einstiegs- und Ausstiegspunkten. Es ergänzt klassische Charttypen wie den Candlestick-Chart um eine liquiditätsbezogene Perspektive, ersetzt aber keine vollständige Marktanalyse.

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