Glossar
Delegated Proof of Stake
Aktualisiert 12. Juni 2026
Delegated Proof of Stake (DPoS) ist ein Konsensalgorithmus für Blockchains, bei dem Token-Inhaber keine Blöcke direkt validieren, sondern ihre Stimmkraft an eine fest begrenzte Gruppe gewählter Delegierter übertragen, die das Netzwerk in ihrem Namen absichern.
Herkunft und Funktionsweise
Daniel Larimer entwickelte DPoS 2013/2014 und setzte es erstmals im Projekt BitShares ein. Spätere Projekte wie Steemit und EOS übernahmen das Prinzip. Das Kernmerkmal: Statt einer offenen Validatoren-Menge, wie sie im klassischen Proof of Stake vorgesehen ist, beschränkt DPoS die aktive Blockproduktion auf typischerweise 21 bis 101 gewählte Nodes – je nach Protokolldesign auch als Witnesses oder Block Producers bezeichnet.
Der Abstimmungsprozess läuft kontinuierlich: Token-Inhaber gewichten ihre Stimmen proportional zum gehaltenen Bestand und geben sie an Delegierte ihrer Wahl ab. Entscheidend dabei ist, dass beim Delegieren keine Token den Besitzer wechseln – es wird ausschließlich Stimmkraft übertragen. Die Custody bleibt vollständig beim ursprünglichen Inhaber. Delegierte, die ausfallen, langsam performen oder gegen Netzwerkregeln verstoßen, können jederzeit durch erneute Abstimmung abgelöst werden. Dieser Abwahlmechanismus ist das demokratische Gegengewicht zur konzentrierten Validierungsverantwortung.
Kompromisse: Durchsatz gegen Dezentralisierung
Die kleine Anzahl aktiver Validatoren reduziert den Kommunikationsaufwand beim Erreichen von Konsens erheblich. Das Ergebnis sind kürzere Blockzeiten und höherer Transaktionsdurchsatz im Vergleich zu Mechanismen mit offener Validatoren-Menge. Dieser Vorteil hat jedoch einen Preis: Mit 21 oder 101 Nodes konzentriert sich die Blockproduktion auf eine sehr überschaubare Gruppe, was DPoS als strukturell zentralisierter als viele andere Konsensmechanismen einordnet. Kritiker verweisen zudem darauf, dass große Token-Bestände überproportional Einfluss auf die Delegierten-Auswahl haben, was Netzwerke anfällig für Stimmkauf oder koordinierte Interessengruppen machen kann.
Im Vergleich dazu verteilt Nominated Proof of Stake die Validierungsauswahl algorithmisch breiter, und Liquid Proof of Stake erlaubt flexiblere Delegationsmodelle mit anderen Sicherheitsanreizen. DPoS steht damit exemplarisch für einen Punkt im Blockchain-Trilemma: Skalierbarkeit und Geschwindigkeit werden bewusst höher gewichtet als maximale Dezentralisierung.
Für Token-Inhaber bedeutet Delegieren in der Praxis meist, eine Wallet-Signatur abzugeben – die Token selbst verbleiben in der eigenen, selbstverwahrenden Wallet.