KryptoRatgeber

Glossar

Death Spiral

Aktualisiert 12. Juni 2026

Death Spiral bezeichnet einen sich selbst verstärkenden Abwärtsprozess, bei dem jede Verschlechterung einer Kennzahl – Preis, Vertrauen, Liquidität – die nächste Verschlechterung auslöst, bis das System kollabiert oder von außen stabilisiert wird. Strukturell handelt es sich um einen positiven Feedback-Loop mit destruktivem Ausgang.

Drei Ausprägungen im Krypto-Kontext

Death Spiral Financing ist das älteste Muster: Ein Unternehmen begibt Wandelanleihen oder wandelbare Vorzugsaktien, deren Konversionspreis variabel ist und unterhalb des jeweils aktuellen Marktpreises liegt. Fällt der Aktienkurs, werden bei jeder Wandlung mehr Aktien ausgegeben; das erhöhte Angebot drückt den Kurs weiter – was wiederum noch mehr Wandlungsaktien erzeugt. Dieses Modell schafft einen strukturellen Anreiz, den Kurs aktiv nach unten zu manipulieren.

Algorithmische Stablecoins zeigen das Muster besonders rein. Das Paradebeispiel Terra/LUNA: Der Stablecoin UST war durch den Governance Token LUNA besichert. Verlor UST das Vertrauen, wurden massenhafte Rückgaben ausgelöst, die LUNA neu prägten und damit entwerteten. Die Entwertung von LUNA zerstörte weiteres Vertrauen in UST, was erneut Rückgaben auslöste – eine klassische Bank-Run-Dynamik, die innerhalb weniger Tage beide Token auf nahezu null drückte.

Bitcoin-Treasury-Unternehmen bilden eine neuere Variante. Unternehmen, die nach dem Vorbild von MicroStrategy Schulden aufnehmen, um Bitcoin zu kaufen, leben von einem MNAV-Aufschlag (dem Aufschlag des Börsenwerts über den reinen Bitcoin-Buchwert). Solange dieser Aufschlag besteht, lässt sich günstiges Kapital beschaffen. In einem anhaltenden Bärenmarkt schwindet der MNAV; Refinanzierungen werden unmöglich, während Schulden fällig werden. Erzwungene Bitcoin-Verkäufe drücken den Bitcoin-Preis, was den MNAV weiter reduziert – ein siebenstufiges Szenario, das Analysten als strukturelle Schwäche dieser Strategie beschreiben.

Einordnung und Grenzen

Allen drei Varianten gemeinsam ist ein externer Schock als Auslöser: ein Bärenmarkt, eine Liquiditätskrise oder das Fälligwerden großer Schuldenpositionen kippen ein bis dahin scheinbar stabiles Gleichgewicht. Der Spiral setzt erst ein, wenn kritische Schwellenwerte unterschritten werden.

Wichtiger Hinweis: Die Beschreibung eines Death-Spiral-Mechanismus ist eine strukturelle Risikoanalyse – kein Handelssignal und keine Prognose. Ob und wann ein solcher Prozess einsetzt, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Mechanismen, die in der Vergangenheit zu einem Kollaps geführt haben, müssen sich nicht wiederholen; umgekehrt können scheinbar stabile Strukturen unerwartet kippen.

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