KryptoRatgeber

Glossar

Dead Man's Switch

Aktualisiert 12. Juni 2026

Dead Man's Switch ist ein Sicherheitsmechanismus, der automatisch eine vorher definierte Aktion auslöst, sobald ein Operator über einen festgelegten Zeitraum keine Rückmeldung mehr gibt – also bei Handlungsunfähigkeit, Bewusstlosigkeit oder Tod.

Ursprung und Übertragung auf Krypto

Der Begriff stammt aus der Fahrzeug- und Maschinentechnik: Ein Lokführer, der den Hebel loslässt, aktiviert sofort die Notbremse. Das Prinzip ist denkbar simpel – ausbleibende Interaktion gilt als Signal für einen Ausnahmezustand. In der Kryptowelt wird dieses Konzept auf zwei völlig unterschiedliche Anwendungsfälle übertragen: Nachlassplanung und Handelsautomatisierung.

Nachlassplanung und Custody. Wer Kryptowerte in einer Non-Custodial Wallet oder auf einer Hardware Wallet verwahrt, ist der einzige Schlüsselinhaber. Stirbt diese Person, ohne Zugangsdaten hinterlassen zu haben, sind die Mittel dauerhaft eingefroren. Spezialisierte Dienste adressieren genau dieses Problem: Der Nutzer meldet sich in regelmäßigen Abständen per E-Mail oder App an. Bleibt der Check-in aus, versendet das System automatisch eine verschlüsselte Nachricht mit Wallet-Zugangsdaten an zuvor festgelegte Empfänger. Neben solchen Online-Diensten existieren Varianten über Passwort-Manager-Freigaben oder programmierbare Smart Contracts.

Das Gegenteil dieses Mechanismus ist historisch belegt: Als der Gründer der kanadischen Kryptobörse QuadrigaCX Ende 2018 starb, besaß er als einziger Person Zugang zu den Cold Wallets des Unternehmens. Rund 260 Millionen US-Dollar in Kundenmitteln blieben in der Folge dauerhaft blockiert. Der Fall wurde international als Lehrstück über fehlende Notfallplanung diskutiert und 2021 in einem Dokumentarfilm unter dem Titel Dead Man's Switch: A Crypto Mystery aufgearbeitet.

Einsatz in der Handelsautomatisierung

Im algorithmischen Handel erfüllt der Dead Man's Switch eine andere Funktion: Hier sichert er automatisierte Systeme gegen Verbindungsabbrüche ab. Fällt die Verbindung zwischen Handelssystem und Börse für länger als ein definiertes Zeitfenster aus – ein gängiger Richtwert liegt bei 60 Sekunden –, schließt der Mechanismus automatisch alle offenen Orders. So verhindert er, dass unkontrollierte Positionen im Markt verbleiben, wenn die Steuerungslogik nicht mehr greift.

Technische Umsetzung im Vergleich

AnwendungsfallAuslöserAktion
NachlassplanungAusbleibender Check-inVersand verschlüsselter Zugangsdaten
Algo-TradingVerbindungsabbruchSchließung offener Orders
Smart ContractOn-Chain-InaktivitätAutomatische Token-Übertragung

Verwandte Begriffe