Glossar
Cross Margin
Aktualisiert 12. Juni 2026
Cross Margin ist ein Margin-Modus im Leveraged Trading, bei dem das gesamte freie Kontoguthaben als gemeinsames Collateral für alle offenen Positionen dient – im Gegensatz zur Isolated vs. Cross Margin, bei der jede Position ein eigenes, begrenztes Margin-Budget erhält.
Funktionsweise
Hält ein Trader gleichzeitig eine Long-Position auf Asset A und eine Short-Position auf Asset B, fließen Gewinne aus der profitablen Position automatisch in den gemeinsamen Margin-Pool und stützen so die defizitäre Seite. Eine Liquidation tritt erst dann ein, wenn das gesamte Kontosaldo unter die kumulierte Maintenance-Margin-Schwelle aller Positionen fällt – nicht bereits dann, wenn eine einzelne Position diesen Schwellenwert unterschreitet. Die Exchange betrachtet das Konto dabei als einen einzigen Risikokorb, nicht als Sammlung isolierter Einzelwetten.
Beispiel: Ein Trader hält 1.000 USD Kontoguthaben und eröffnet zwei gehebelte Positionen. Position A läuft 200 USD ins Plus, Position B gleichzeitig 150 USD ins Minus. Im Cross-Margin-Modus steht der Netto-Margin-Pool bei 1.050 USD; eine Liquidation ist weit entfernt. Bei Isolated Margin wäre Position B bereits deutlich näher an ihrem individuellen Liquidations-Schwellenwert.
Kapitaleffizienz und Risiko
Der wesentliche Vorteil von Cross Margin liegt in der Kapitaleffizienz: Überschussliquidität muss nicht manuell auf einzelne Positionen verteilt werden, und Gewinne aus laufenden Trades arbeiten sofort als Sicherheit für das gesamte Portfolio. Das reduziert unnötige Zwangsliquidationen durch kurzfristige Kursausschläge in einer einzigen Position.
Das Hauptrisiko ist jedoch die Kehrseite desselben Mechanismus: Ein einzelner, stark negativer Trade kann sukzessive das gesamte Kontoguthaben aufzehren. Weil alle Positionen aus demselben Pool gespeist werden, kann ein unkontrollierter Verlust in einer Position die übrigen mitreißen – selbst wenn diese profitabel wären. Dieses systemische Risikoprofil ist der Grund, warum Cross Margin besonders diszipliniertes Risikomanagement und klare Stop-Loss-Strategien voraussetzt.
Historisch wurde das Konzept des Cross Margining Ende der 1980er Jahre auf institutioneller Ebene eingeführt – unter anderem als Reaktion auf den „Black Monday" von 1987, um systemisches Risiko durch gemeinsame Collateral-Pools an zentralen Clearingstellen zu reduzieren.
Hinweis: Dieser Artikel erklärt einen technischen Begriff. Er stellt keine Anlageberatung dar und ist kein Handelssignal. Margin-Trading mit Hebel ist hochriskant; Verluste können das eingesetzte Kapital übersteigen.