KryptoRatgeber

Glossar

Compounding (Zinseszins)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Compounding (Zinseszins) ist der Prozess, bei dem erwirtschaftete Erträge – Zinsen, Renditen oder sonstige Ausschüttungen – nicht entnommen, sondern dem Kapitalstock hinzugefügt werden, sodass sie in der nächsten Periode selbst wieder Erträge generieren. Das Ergebnis ist exponentielles Wachstum statt linearer Akkumulation.

Mathematische Grundlage

Die Formel lautet:

Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz)^Laufzeit

Der Unterschied zum einfachen Zins ist strukturell: Beim einfachen Zins wird ausschließlich das Anfangskapital verzinst, die Erträge wachsen linear. Beim Zinseszins wächst die Basis jede Periode. Ein konkretes Beispiel verdeutlicht den Effekt: 5.000 $ zu 5 % p. a. einfachem Zins erbringen über fünf Jahre 1.250 $ Zinsen (250 $ pro Jahr, unveränderlich). Dieselbe Summe bei jährlichem Compounding mit 5 % ergibt hingegen rund 1.381 $ – ohne dass sich der Zinssatz ändert. Der Mehrertrag entsteht allein dadurch, dass jeder gutgeschriebene Zins in den Folgejahren selbst mitverzinst wird.

Wichtig für die korrekte Interpretation: Bei jährlichem Compounding entspricht der effektive Jahreszins (APY) exakt dem Nominalzins – im Beispiel also 5 %. APY übersteigt den nominalen APR erst dann, wenn innerhalb eines Jahres mehrfach verzinst wird. Bei monatlichem Compounding eines nominalen APR von 5 % ergibt sich beispielsweise ein APY von rund 5,12 %. Je höher die Compounding-Frequenz (täglich, stündlich, kontinuierlich), desto stärker weicht der APY vom nominalen Satz ab.

Als Faustregel gilt die Regel 72: Dividiert man 72 durch den Zinssatz, erhält man die ungefähre Anzahl der Jahre bis zur Kapitalverdoppelung. Bei 6 % p. a. wären das etwa zwölf Jahre.

Compounding im DeFi-Kontext

In dezentralen Finanzprotokollen auf Blockchains wie Ethereum können Nutzer Krypto-Assets einzahlen und Zinsen verdienen, die als sogenannte aToken / cToken abgebildet werden. Auto-Compounding-Mechanismen reinvestieren diese Erträge automatisch – teils in sehr kurzen Intervallen – und erhöhen dadurch den effektiven APY gegenüber einer manuellen, seltener ausgeführten Reinvestition. Nutzer sollten dabei beachten, dass Smart-Contract-Risiken, Protokollgebühren und steuerliche Aspekte die rechnerische Zinseszins-Rendite erheblich beeinflussen können.

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