Glossar
Chance-Risiko-Verhältnis (CRV)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) ist eine Kennzahl im Trading, die den potenziellen Gewinn eines geplanten Trades ins Verhältnis zum potenziellen Verlust setzt und damit eine objektive Grundlage für die Bewertung eines Einstiegs liefert — noch bevor eine Position eröffnet wird.
Berechnung und Funktionsweise
Die Formel ist denkbar schlicht:
CRV = potenzieller Gewinn ÷ potenzielles Risiko
Der potenzielle Gewinn ergibt sich aus dem Abstand zwischen Einstiegskurs und Take-Profit-Level, das Risiko aus dem Abstand zwischen Einstiegskurs und Stop-Loss-Level. Ein Trader kauft beispielsweise einen Vermögenswert zu 1.000 €, setzt den Stop-Loss bei 950 € (Risiko: 50 €) und den Take-Profit bei 1.100 € (Chance: 100 €). Das CRV beträgt in diesem Fall 2:1 — der mögliche Gewinn ist doppelt so hoch wie der mögliche Verlust.
Beide Parameter — Stop-Loss und Take-Profit — müssen vor dem Trade feststehen. Ohne diese Fixpunkte lässt sich kein CRV ermitteln; die Kennzahl setzt damit voraus, dass Risiko und Ziel klar definiert sind.
Wechselbeziehung mit der Trefferquote
CRV und Trefferquote bedingen einander. Bei einem CRV von 2:1 reicht theoretisch eine Trefferquote von knapp über 33 %, um langfristig profitabel zu bleiben: Ein Gewinn-Trade gleicht zwei Verlust-Trades aus. Je niedriger das CRV, desto öfter muss ein Trade im Plus enden, um denselben Effekt zu erzielen. Unter erfahrenen Tradern gilt ein CRV von mindestens 2:1 als praktische Mindestanforderung — darunter wird die notwendige Trefferquote rechnerisch so hoch, dass sie kaum dauerhaft zu erreichen ist.
Das CRV reduziert den emotionalen Entscheidungsdruck: Wer vor dem Einstieg weiß, dass das Gewinnpotenzial das Verlustrisiko deutlich überwiegt, handelt nach einem rationalen Kriterium statt aus Bauchgefühl.
Einordnung und Grenzen
Das CRV ist ein Planungswerkzeug — kein Handelssignal und keine Erfolgsgarantie. Es beschreibt ausschließlich das Verhältnis zweier vorab gesetzter Kursmarken. Ob der Kurs tatsächlich den Take-Profit erreicht, bevor der Stop-Loss ausgelöst wird, lässt sich daraus nicht ableiten. Technische Muster und Indikatoren, auf denen die Kursziele häufig beruhen, können jederzeit scheitern. Der Eintrag dient der Wissensvermittlung und stellt keine Anlage- oder Handelsberatung dar.