Glossar
Bollinger-Bänder
Aktualisiert 12. Juni 2026
Bollinger-Bänder sind ein Indikator der technischen Analyse, der die Volatilität eines Marktes sichtbar macht, indem er drei Linien um den Kursverlauf legt: ein mittleres Band (Simple Moving Average, typischerweise über 20 Perioden) sowie ein oberes und ein unteres Band, die je zwei Standardabweichungen vom SMA entfernt verlaufen.
Aufbau und Berechnung
Der SMA bildet das rechnerische Fundament. Die Standardabweichung misst, wie stark die Kurse um diesen Mittelwert streuen. Steigt die Streuung, weiten sich die Bänder; sinkt sie, ziehen sie sich zusammen. Das Ergebnis ist ein dynamischer „Kanal", dessen Breite direkt die aktuelle Marktvolatilität widerspiegelt. In ruhigen Phasen liegen die Bänder eng beieinander – Trader bezeichnen das als Squeeze. In turbulenten Phasen weiten sie sich erheblich aus.
Interpretation in der Praxis
Aus der Bandbreite lassen sich zwei häufig diskutierte Situationen ableiten:
- Squeeze: Enge Bänder signalisieren ungewöhnlich geringe Volatilität. Viele Analysten sehen darin einen Hinweis, dass eine stärkere Kursbewegung bevorstehen könnte – in welche Richtung, lässt der Indikator offen.
- Bandberührung: Berührt oder überschreitet der Kurs das obere Band, werten Trendfolge-Trader dies als Zeichen von Stärke. Mean-Reversion-Trader interpretieren exakt dieselbe Situation als überkaufte Zone und erwarten eine Rückkehr zum Mittelband. Beide Lesarten sind gültige Ansätze – und widersprechen einander direkt.
Dieses Beispiel zeigt ein grundlegendes Merkmal des Indikators: Bollinger-Bänder messen Volatilität und relative Preisniveaus, geben aber keine eindeutige Handelsrichtung vor. Erst die Kombination mit weiteren Indikatoren – etwa dem Relative Strength Index (RSI) oder dem MACD – liefert einen breiteren Analysekontext. Auch dann bleibt jede Schlussfolgerung eine Interpretation, kein Faktum.
Einordnung und Grenzen
John Bollinger entwickelte den Indikator in den 1980er Jahren; heute ist er auf nahezu jeder Charting-Plattform verfügbar und wird in Aktien-, Rohstoff- und Kryptomärkten eingesetzt. Trotz weiter Verbreitung gilt: Technische Indikatoren – einschließlich Bollinger-Bänder – können scheitern. Muster, die in der Vergangenheit funktioniert haben, müssen sich nicht wiederholen. Dieser Glossar-Eintrag beschreibt die Funktionsweise des Indikators; er stellt kein Handelssignal dar und ist keine Anlageberatung.