Glossar
BIP-44
Aktualisiert 12. Juni 2026
BIP-44 ist ein Bitcoin Improvement Proposal, das einen standardisierten Ableitungspfad für hierarchisch deterministische Wallets definiert und so die Interoperabilität zwischen verschiedenen Wallet-Implementierungen sicherstellt.
Veröffentlicht im April 2014 von Marek Palatinus und Pavol Rusnak (SatoshiLabs), baut BIP-44 auf zwei Vorgängerstandards auf: BIP-32 legt das Fundament für HD-Wallets, also die baumartige Ableitung beliebig vieler Schlüsselpaare aus einem einzigen Wurzelschlüssel. BIP-39 ergänzt das Verfahren um eine menschenlesbare Mnemonic-Phrase als Backup. BIP-44 strukturiert den daraus entstehenden Schlüsselbaum nach einem festen Schema.
Der Ableitungspfad im Detail
Der Pfad folgt dem Muster m / purpose' / coin_type' / account' / change / address_index. Jedes Segment hat eine klar definierte Aufgabe:
- purpose ist immer
44'(hardened), was die Einhaltung dieses Standards signalisiert. - coin_type unterscheidet Kryptowährungen:
0'steht für Bitcoin,60'für Ethereum. - account erlaubt die logische Trennung mehrerer Konten unter demselben Seed, beginnend bei
0'. - change trennt externe Empfangsadressen (
0) von internen Wechselgeldadressen (1). - address_index nummeriert die einzelnen Adressen fortlaufend ab
0.
Die erste Bitcoin-Empfangsadresse eines Wallets hat demnach den Pfad m/44'/0'/0'/0/0. Als Adressformat legt BIP-44 P2PKH (Pay-to-Public-Key-Hash) fest — erkennbar an der führenden 1 bei Bitcoin-Adressen.
Wallet-Wiederherstellung und das Gap Limit
Beim Wiederherstellen eines Wallets aus einem Seed muss die Software entscheiden, wie weit sie den Adressbaum nach genutzten Adressen absucht. BIP-44 definiert dafür ein Address Gap Limit von 20: Findet die Software 20 aufeinanderfolgende Adressen ohne Transaktionshistorie, bricht der Scan ab. Das ist ein pragmatischer Kompromiss — ein höheres Limit würde den Wiederherstellungsprozess verlangsamen, ein niedrigeres könnte dazu führen, dass Guthaben nicht erkannt werden, wenn ein Nutzer Adressen nicht sequenziell genutzt hat.
Bedeutung für die Praxis
Weil Trezor, Ledger, MetaMask und andere Hardware Wallets denselben BIP-44-Pfad implementieren, lassen sich Wallets zwischen Anbietern migrieren, ohne Guthaben zu verlieren — vorausgesetzt, Seed und Coin-Type stimmen überein. Dieses Maß an Portabilität ist der zentrale Beitrag des Standards: Nicht ein Hersteller, sondern ein offenes Protokoll kontrolliert die Struktur der Schlüssel.
Für neuere Adressformate wie P2WPKH (SegWit) wurden eigene Standards definiert — BIP-49 für wrapped SegWit und BIP-84 für native SegWit —, die denselben strukturellen Ansatz übernehmen, aber einen anderen purpose-Wert verwenden.