Glossar
Arbitrum Nitro
Aktualisiert 12. Juni 2026
Arbitrum Nitro ist der seit August 2022 produktive technische Unterbau von Arbitrum One – ein zweiter Generation Optimistic-Rollup-Stack, der die ursprüngliche Arbitrum Virtual Machine (AVM) vollständig ablöste und das System in puncto Durchsatz, Finalität und Streitbeilegung grundlegend überarbeitete.
Architektur: Geth statt Custom-Emulator
Das entscheidende Designprinzip von Nitro ist die direkte Integration von Geth – dem verbreitetsten Ethereum-Client – in den Rollup-Stack. Damit entfällt der bisherige, eigens entwickelte EVM-Emulator. Das Ergebnis ist vollständige EVM-Äquivalenz: Solidity-Smart-Contracts lassen sich ohne Anpassung auf Arbitrum One deployen, und Entwickler können dasselbe Tooling nutzen wie auf Ethereum Mainnet. Die Kompatibilität geht damit deutlich weiter als bei früheren Ansätzen, die lediglich EVM-Kompatibilität im weiteren Sinne beanspruchten.
Ein weiteres Kernelement ist die Kompilierung der Fraud Proofs zu WebAssembly (WASM). Bisher erforderten interaktive Betrugsbeweise einen spezialisierten Compiler. Nitro ersetzt diesen durch Standard-Programmiersprachen und -Werkzeuge: Der Arbitrum-Engine-Code wird im Normalbetrieb zu nativem Maschinencode kompiliert; im Streitfall wechselt der Prüfprozess zu WASM, das auf der Ethereum-L1 verifiziert werden kann. Diese Trennung macht den Verifikationspfad wartbarer und prüfbarer.
Sequenzierung, Komprimierung und Streitbeilegung
Nitro trennt konsequent zwischen der Sequenzierung von Transaktionen und ihrer deterministischen Ausführung. Der Sequenzer ordnet und bündelt Transaktionen, publiziert komprimierte Calldata auf Ethereum L1. Die Calldata-Komprimierung reduziert die Datenmenge, die on-chain veröffentlicht werden muss, was die Gebühren für Endnutzer direkt beeinflusst. Token-Bridge, Sequenzer, Fraud Proofs und Komprimierung sind dabei in einem integrierten System zusammengefasst – kein Modul steht isoliert.
Das Streitbeilegungsverfahren (Dispute Resolution) nutzt das klassische interaktive Fraud-Proof-Modell von Arbitrum: Wird ein veröffentlichter Zustand angefochten, wird die strittige Berechnung schrittweise eingegrenzt, bis ein einzelner WASM-Opcode on-chain verifiziert werden kann. Dieses Verfahren hält den Aufwand auf L1 minimal, ohne auf kryptografische Gültigkeitsbeweise (wie in ZK-Rollups) angewiesen zu sein.
Nitro bildet auch die technische Grundlage für Arbitrum Orbit, das Framework zur Einrichtung eigener L3-Chains auf Basis des Nitro-Stacks.