Glossar
ABI (Application Binary Interface)
Aktualisiert 12. Juni 2026
ABI (Application Binary Interface) ist eine standardisierte Schnittstelle, die festlegt, wie zwei Binärprogramme auf Maschinenebene miteinander kommunizieren – unabhängig davon, in welcher Hochsprache sie ursprünglich geschrieben wurden.
Allgemeine Funktionsweise
Ein ABI regelt auf unterster Ebene, wie Funktionsaufrufe kodiert werden, welche Datentypen welche Speicherbreite belegen, wie Parameter übergeben und Rückgabewerte übermittelt werden. Ohne diese gemeinsame Übereinkunft könnte ein Programm die Schnittstellen einer Bibliothek oder eines Betriebssystems nicht korrekt nutzen – selbst wenn der Quellcode theoretisch kompatibel wäre. Ein ABI ist damit konkreter und maschinennäher als ein API (Application Programming Interface), das lediglich auf Quellcodeebene Konventionen beschreibt.
Bedeutung im Ethereum-Ökosystem
Im Kontext von Blockchain-Plattformen wie Ethereum hat der Begriff eine präzise Bedeutung erhalten: Das Contract ABI ist ein JSON-Dokument, das alle öffentlichen Funktionen, ihre Eingabe-Parameter, Rückgabewerte sowie Events eines Smart Contracts vollständig beschreibt. Es entsteht automatisch beim Kompilieren eines Smart Contracts – etwa mit Solidity über Entwicklungswerkzeuge wie Hardhat oder Foundry – und wird zusammen mit dem ausführbaren Bytecode bereitgestellt.
Der Bytecode selbst ist für Menschen nicht lesbar und enthält keine Funktionsnamen. Das ABI ist daher das notwendige Wörterbuch: Es übersetzt zwischen der menschenlesbaren Funktionssignatur und der binären Enkodierung, die auf der Blockchain tatsächlich ausgeführt wird. Ohne ABI kann weder eine dezentrale Anwendung (dApp) noch ein externes Tool wissen, wie ein Funktionsaufruf korrekt verpackt oder eine Contract-Antwort dekodiert werden muss.
Praktisches Beispiel
Möchte ein Entwickler über eine JavaScript-Bibliothek wie Ethers.js oder Viem eine Überweisung auf einem ERC-20-Token-Contract auslösen, übergibt er der Bibliothek das ABI des Contracts sowie dessen Adresse. Die Bibliothek liest aus dem ABI die Signatur der transfer-Funktion, enkodiert Empfängeradresse und Betrag nach den ABI-Spezifikationen und sendet die resultierende Transaktion an das Netzwerk. Ohne dieses Dokument bliebe der Bytecode des Contracts eine unlesbare Folge von Bytes.
Für Nutzer ist das ABI meist unsichtbar – es wirkt im Hintergrund jeder Wallet-Interaktion und jedes DeFi-Protokollaufrufs. Für Entwickler hingegen ist es ein zentrales Werkzeug der Smart-Contract-Integration und Grundvoraussetzung für Sicherheitsaudits, da es den vollständigen öffentlichen Funktionsumfang eines Contracts dokumentiert.