Glossar
ABCD-Muster
Aktualisiert 12. Juni 2026
Das ABCD-Muster ist eine charttechnische Struktur aus der harmonischen Analyse, die aus vier aufeinanderfolgenden Preispunkten (A, B, C, D) besteht und eine zickzackförmige Kursbewegung beschreibt, bei der die Teilstrecken AB und CD in einem definierten Längenverhältnis zueinander stehen.
Aufbau und Fibonacci-Verhältnisse
Die Grundstruktur folgt einem klaren Schema: Von Punkt A aus bewegt sich der Kurs in einem starken Impuls zu Punkt B. Anschließend setzt eine Gegenbewegung (Retracement) zu Punkt C ein, bevor der Kurs in Richtung Punkt D weiterläuft. In der Idealform gilt AB = CD – die zweite Strecke spiegelt die erste in Länge und Charakter wider.
Für eine valide Struktur werden Fibonacci-Verhältnisse herangezogen: Punkt C sollte beim 61,8 % oder 78,6 % Retracement der AB-Bewegung liegen. Punkt D ergibt sich dann aus einer Extension von 127 % oder 161,8 % der AB-Länge. Je enger die tatsächlichen Kurspunkte an diesen Verhältnissen liegen, desto "sauberer" gilt das Muster in der Terminologie der harmonischen Analyse.
Bullisches und bärisches ABCD
Das Muster tritt in zwei Varianten auf:
- Bullisches ABCD: A liegt höher als B (Abwärtsimpuls), C über B (Erholung), D unter C (erneute Abwärtsbewegung). Punkt D markiert dabei einen möglichen Unterstützungsbereich.
- Bärisches ABCD: Die Bewegungsrichtung ist gespiegelt – A liegt tiefer als B, der Kurs steigt zu C, fällt kurz zurück, läuft dann zu D über C hinaus. Punkt D bildet hier einen potenziellen Widerstandsbereich.
In beiden Fällen gilt D als sogenannte Potential Reversal Zone (PRZ): ein Bereich, in dem Chartanalysten eine Trendwende für möglich halten. Das ABCD-Muster ist zugleich Bestandteil komplexerer harmonischer Strukturen wie dem Crab- oder Butterfly-Muster, in denen es als integrierte Teilstruktur erscheint.
Einordnung und Grenzen
Das Muster funktioniert theoretisch in allen liquiden Märkten – Aktien, Forex und Kryptowährungen eingeschlossen. Praktisch stellt die subjektive Auswahl der Ausgangspunkte A und B ein zentrales Problem dar: Unterschiedliche Trader identifizieren auf demselben Chart unterschiedliche Muster. Hinzu kommt, dass auch ein formal korrektes ABCD-Muster keine verlässliche Vorhersage über den weiteren Kursverlauf erlaubt. Chartmuster sind keine Handelssignale. Sie beschreiben vergangene Preisstrukturen; ob sich ein Muster wiederholt oder scheitert, lässt sich im Voraus nicht sicher bestimmen.